Brom (Br) – Eigenschaften, Vorkommen und Verwendung
Brom ist ein chemisches Element, das bereits durch sein Aussehen aus der Reihe fällt. Während die meisten Nichtmetalle bei Raumtemperatur gasförmig oder fest sind, bildet Brom eine dunkelrotbraune, leicht flüchtige Flüssigkeit. Über ihr stehen rotbraune Dämpfe, die nicht nur auffällig aussehen, sondern auch gefährlich sind. Brom gehört zu den Halogenen und steht im Periodensystem unmittelbar unter Chlor. Mit der Ordnungszahl 35 nimmt es eine besondere Stellung zwischen der Chemie der Nichtmetalle, der industriellen Produktion und der Geschichte der Fotografie ein. Bromverbindungen finden sich unter anderem in der Wasseraufbereitung, in der chemischen Synthese, in bestimmten Flammschutzmitteln und in technischen Spezialanwendungen. Dabei ist eine Unterscheidung entscheidend: Elementares Brom ist ein hochreaktiver Gefahrstoff, während Bromid-Ionen und verschiedene bromhaltige Verbindungen ganz andere Eigenschaften besitzen können.
Brom im Periodensystem – die wichtigsten Daten
Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
Elementname | Brom |
Elementsymbol | Br |
Ordnungszahl | 35 |
Relative Atommasse | 79,904 |
Elementgruppe | 17 – Halogene |
Periode | 4 |
Elementblock | p-Block |
Stoffklasse | Nichtmetall |
Aggregatzustand bei 20 °C | Flüssig |
Farbe | Dunkelrotbraun |
Dichte bei 20 °C | ca. 3,1 g/cm³ |
Schmelzpunkt | −7,2 °C |
Siedepunkt | 58,8 °C |
Elektronenkonfiguration | [Ar] 3d¹⁰ 4s² 4p⁵ |
Elektronenverteilung auf die Schalen | 2, 8, 18, 7 |
Elektronegativität nach Pauling | 2,96 |
Häufige Oxidationszahlen | −1, +1, +3, +5, +7 |
Natürlich vorkommende stabile Isotope | ⁷⁹Br und ⁸¹Br |
Brom gehört zusammen mit Chlor, Fluor, Iod und den weiteren Elementen der 17. Gruppe zu den Halogenen. Ihr gemeinsames Kennzeichen sind sieben Elektronen in der äußersten Elektronenschale. Deshalb können Halogenatome durch Aufnahme eines Elektrons häufig einfach negativ geladene Ionen bilden. Beim Brom entsteht so das Bromid-Ion Br⁻. Die Stellung des Elements lässt sich besonders gut im interaktiven Online-Periodensystem von blume nachvollziehen.
Entdeckung des Broms – ein Element aus dem Meerwasser
Die Entdeckung des Broms ist eng mit der Untersuchung salzhaltiger Wässer verbunden. Im Jahr 1826 veröffentlichte der französische Chemiker Antoine-Jérôme Balard (1802–1876) seine Entdeckung eines bis dahin unbekannten Elements. Er hatte Rückstände aus der Salzgewinnung und Meerwasser untersucht. Dabei stellte er fest, dass sich aus den darin enthaltenen Verbindungen ein charakteristisch rotbrauner Stoff freisetzen ließ, der weder mit Chlor noch mit Iod identisch war.
Fast zeitgleich hatte auch der deutsche Chemiker Carl Jacob Löwig (1803–1890) eine bromhaltige Flüssigkeit aus Mineralwasser gewonnen. Seine Beobachtungen waren zunächst jedoch noch nicht veröffentlicht. Deshalb wird Balard gewöhnlich als Entdecker des Broms genannt, während Löwigs unabhängiger Beitrag ebenfalls zur Entdeckungsgeschichte gehört. Dieses Beispiel zeigt, dass wissenschaftliche Entdeckungen nicht immer auf einen einzigen Beobachtungszeitpunkt zurückgeführt werden können: Entscheidend sind auch die Untersuchung, Identifizierung und Veröffentlichung eines neuen Stoffes.
Der Name Brom geht auf das griechische Wort brōmos zurück, das „Gestank“ oder „übel riechender Geruch“ bedeutet. Die Bezeichnung ist ungewöhnlich direkt und beschreibt eine auffällige Eigenschaft des Elements: Bromdampf besitzt einen stechenden, unangenehmen Geruch. Dieser ist allerdings keinesfalls eine Einladung, den Stoff zu riechen. Bereits geringe Konzentrationen können Augen und Atemwege stark reizen.
Warum ist Brom bei Raumtemperatur flüssig?
Brom ist neben Quecksilber eines der wenigen chemischen Elemente, die bei gewöhnlicher Raumtemperatur flüssig sind. Die beiden Elemente haben jedoch grundverschiedene chemische Eigenschaften: Quecksilber ist ein Metall, Brom dagegen ein Nichtmetall. Elementares Brom besteht aus zweiatomigen Molekülen mit der Formel Br₂. Zwischen den einzelnen Brommolekülen wirken London-Dispersionskräfte, deren Stärke mit der Größe und Polarisierbarkeit der Elektronenhülle zunimmt.
Innerhalb der Halogengruppe lässt sich dadurch ein bemerkenswerter Trend beobachten: Fluor und Chlor sind bei Raumtemperatur gasförmig, Brom ist flüssig und Iod fest. Die Moleküle werden innerhalb der Gruppe größer und ihre zwischenmolekularen Anziehungskräfte stärker. Deshalb steigen Schmelz- und Siedepunkte von Fluor über Chlor und Brom bis zu Iod deutlich an. Das Verhalten von Brom ist somit keine chemische Ausnahme ohne Erklärung, sondern eine anschauliche Folge des periodischen Aufbaus der Elemente.
Der Siedepunkt von Brom liegt bei nur etwa 58,8 °C. Schon bei Raumtemperatur besitzt die Flüssigkeit einen erheblichen Dampfdruck, sodass über ihr sichtbare rotbraune Dämpfe entstehen können. Auch deshalb wird Brom in dicht verschlossenen, geeigneten Behältern aufbewahrt und ausschließlich unter geeigneten Sicherheitsbedingungen gehandhabt.
Chemische Eigenschaften – ein reaktionsfreudiges Halogen
Brom ist ein starkes Oxidationsmittel, allerdings weniger oxidierend als Chlor. Es kann Elektronen von geeigneten Reaktionspartnern aufnehmen und dabei zu Bromid reduziert werden. Die Reaktion mit vielen Metallen führt zur Bildung von Metallbromiden. Mit Natrium entsteht beispielsweise Natriumbromid:
2 Na + Br₂ → 2 NaBr
In dieser Reaktion werden Natriumatome zu Na⁺-Ionen oxidiert, während die Brommoleküle zu Br⁻-Ionen reduziert werden. Das Ergebnis ist ein ionisch aufgebautes Salz. Es besitzt nicht mehr die Eigenschaften des elementaren Broms: Natriumbromid ist unter normalen Bedingungen ein weißer, kristalliner Feststoff.
Auch die Reaktion von Brom mit Wasser ist chemisch interessant. Ein Teil des Broms reagiert in einem Gleichgewicht mit Wasser zu Bromwasserstoff und hypobromiger Säure:
Br₂ + H₂O ⇌ HBr + HOBr
Die hypobromige Säure beziehungsweise das zugehörige Hypobromit-Ion kann Mikroorganismen oxidativ schädigen. Dieser Zusammenhang spielt bei bestimmten Verfahren zur Wasserdesinfektion eine Rolle. Die tatsächliche Zusammensetzung hängt unter anderem vom pH-Wert ab.
Ein besonders lehrreiches Experiment aus der Halogenchemie ist die Verdrängungsreaktion: Chlor kann Bromid-Ionen zu elementarem Brom oxidieren, weil Chlor das stärkere Oxidationsmittel ist.
Cl₂ + 2 Br⁻ → 2 Cl⁻ + Br₂
Die Reaktion verdeutlicht, dass die Stellung der Halogene im Periodensystem Rückschlüsse auf ihre chemische Reaktivität erlaubt. Praktische Versuche mit Chlor und Brom gehören wegen der Gefährlichkeit der Stoffe ausschließlich in entsprechend ausgestattete Fachlabore.
Brom, Bromid und bromorganische Verbindungen – wichtige Unterschiede
Im Alltag werden die Begriffe Brom und Bromverbindungen häufig gleichgesetzt. Chemisch ist das ungenau. Elementares Brom (Br₂) ist eine ätzende, toxische und flüchtige Flüssigkeit. Bromid (Br⁻) ist dagegen ein negativ geladenes Ion, das beispielsweise in Natriumbromid oder Kaliumbromid vorliegt. Daneben existiert eine große Zahl organischer Bromverbindungen, in denen Bromatome kovalent an Kohlenstoff gebunden sind.
Diese Stoffgruppen unterscheiden sich teilweise erheblich hinsichtlich ihrer Reaktivität, Wasserlöslichkeit, biologischen Wirkung und Umweltgefährdung. Aus der Tatsache, dass eine Verbindung Brom enthält, lässt sich daher nicht automatisch ableiten, ob sie gefährlich oder unbedenklich ist. Entscheidend sind immer die konkrete chemische Struktur, die Konzentration und die Art der Exposition.
Gerade dieser Unterschied macht Brom zu einem guten Unterrichtsbeispiel für einen grundlegenden chemischen Sachverhalt: Die Eigenschaften einer chemischen Verbindung sind nicht einfach die Summe der Eigenschaften ihrer Elemente. Ein Salz mit Bromid-Ionen verhält sich anders als flüssiges Brom, und eine bromorganische Verbindung kann wiederum völlig andere Merkmale besitzen.
Vorkommen – Brom aus Meerwasser und Salzlagerstätten
Brom kommt in der Natur wegen seiner Reaktivität praktisch nicht elementar vor. Stattdessen findet man es überwiegend in Form von Bromid-Ionen, die in Meerwasser, salzhaltigen Grundwässern, natürlichen Solen und bestimmten Salzlagerstätten enthalten sind. Das Meerwasser enthält im Mittel ungefähr 65 bis 70 Milligramm Bromid pro Liter, wobei regionale Unterschiede auftreten können.
Obwohl die Konzentration im Meerwasser vergleichsweise gering ist, stellt die enorme Wassermenge der Ozeane ein bedeutendes natürliches Bromreservoir dar. Für die industrielle Gewinnung sind jedoch besonders bromidreiche Solen wirtschaftlich interessant. Solche Wässer entstehen beispielsweise im Zusammenhang mit Salzlagerstätten und geologischen Verdunstungsprozessen.
Die chemische Verwandtschaft mit Chlor zeigt sich auch hier: Beide Elemente bilden gut lösliche Salze, und ihre Ionen kommen häufig gemeinsam in natürlichen Salzlösungen vor. Bromid ist dabei wesentlich seltener als Chlorid, kann sich aber in bestimmten Restlaugen der Salzgewinnung anreichern.
Wie wird Brom industriell gewonnen?
Bei der industriellen Bromgewinnung nutzt man den Unterschied im Oxidationsvermögen von Chlor und Brom. Bromidreiche Sole wird aufbereitet und anschließend mit Chlor behandelt. Dabei werden die Bromid-Ionen oxidiert, sodass elementares Brom entsteht:
Cl₂ + 2 Br⁻ → Br₂ + 2 Cl⁻
Das freigesetzte Brom wird anschließend aus der Flüssigkeit abgetrennt, beispielsweise durch Austreiben mit Luft oder Wasserdampf und nachfolgende Kondensation beziehungsweise geeignete Absorptions- und Aufbereitungsschritte. Die genaue technische Prozessführung hängt von der Zusammensetzung der Sole und der eingesetzten Anlage ab.
Die Gewinnung zeigt anschaulich, wie sich Erkenntnisse aus der Elektrochemie in industrielle Verfahren übertragen lassen. Zugleich macht sie deutlich, warum Bromanlagen besondere Anforderungen an Materialbeständigkeit, Dichtheit und Arbeitsschutz stellen: Das Produkt ist stark korrosiv und seine Dämpfe sind gesundheitsschädlich.
Verwendung von Brom – von der Desinfektion bis zur Spezialchemie
Bromverbindungen in Flammschutzmitteln
Eine wichtige industrielle Anwendung bestimmter organischer Bromverbindungen ist die Herstellung bromierter Flammschutzmittel. Sie werden oder wurden verschiedenen Kunststoffen und anderen Materialien zugesetzt, um deren Entzündbarkeit beziehungsweise Brandverhalten zu beeinflussen. Beim Erhitzen können bromhaltige Zersetzungsprodukte in der Gasphase chemische Kettenreaktionen der Verbrennung hemmen. Dadurch lässt sich die Flammenausbreitung unter bestimmten Bedingungen verlangsamen.
Allerdings sind bromierte Flammschutzmittel keine einheitliche Stoffgruppe mit identischem Risikoprofil. Einige Vertreter sind langlebig, können sich in der Umwelt anreichern oder gesundheitlich problematisch sein. Deshalb wurden bestimmte bromierte Flammschutzmittel international reguliert oder verboten. Andere Anwendungen werden weiterhin unter jeweils geltenden gesetzlichen und technischen Anforderungen eingesetzt. Eine sachgerechte Bewertung muss die einzelnen Substanzen und ihre Verwendung berücksichtigen.
Brom in der Wasserdesinfektion
Brombasierte Desinfektionsmittel werden unter anderem für bestimmte Schwimmbecken, Whirlpools und technische Wassersysteme verwendet. Die antimikrobielle Wirkung beruht insbesondere auf oxidierend wirkenden Bromspezies wie hypobromiger Säure. Solche Mittel werden gezielt dosiert und kontrolliert; sie sind nicht mit dem direkten Einsatz unverdünnten elementaren Broms gleichzusetzen.
Theodore Gray veranschaulicht in Die Elemente die praktische Bedeutung bromhaltiger Desinfektionsmittel anhand von Produkten für Whirlpools. Dieses Beispiel zeigt, wie ein chemisch hochreaktives Element in kontrolliert hergestellten Verbindungen und unter geeigneten Anwendungsbedingungen technisch nutzbar wird.
Silberbromid und die Geschichte der Fotografie
Eine besonders bedeutende historische Anwendung ist Silberbromid (AgBr). Diese Verbindung ist lichtempfindlich und wurde zusammen mit anderen Silberhalogeniden in fotografischen Filmen und Papieren eingesetzt. Bei der Belichtung entstehen in den Silberhalogenidkristallen zunächst winzige, nicht unmittelbar sichtbare Veränderungen. Durch die fotografische Entwicklung kann daraus ein sichtbares Bild aus metallischem Silber entstehen.
Die lichtempfindlichen Eigenschaften der Silberhalogenide bildeten über viele Jahrzehnte eine Grundlage der analogen Fotografie. Auch wenn digitale Kameras heute dominieren, bleibt diese Anwendung ein faszinierendes Beispiel für die Verbindung von Photochemie, Materialwissenschaft und Technikgeschichte.
Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger hebt in Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt die historische Bedeutung von Brom als Bestandteil fotografischer Silberhalogenide hervor. Diese Perspektive ergänzt die stärker alltags- und industriebezogenen Beispiele bei Theodore Gray.
Brom in chemischer Synthese und Spezialanwendungen
Brom und zahlreiche Bromverbindungen sind wichtige Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte in der chemischen Industrie. Sie werden unter anderem zur Herstellung bestimmter Wirkstoffe, Farbstoffe, Spezialchemikalien und funktioneller organischer Verbindungen eingesetzt. Besonders in der organischen Chemie lassen sich Bromatome gezielt in Moleküle einführen oder in nachfolgenden Reaktionen durch andere Gruppen ersetzen.
Eine weitere Anwendung sind bestimmte brombasierte Redox-Flow-Batterien, etwa Systeme mit Zink und Brom. In solchen Batterien werden elektrochemische Reaktionen zur Speicherung elektrischer Energie genutzt. Ihre technische Ausführung erfordert jedoch eine sorgfältige Kontrolle der reaktiven Bromspezies sowie geeignete Werkstoffe und Sicherheitskonzepte.
Brom in der Natur und im menschlichen Körper
Bromid kommt in geringen Mengen auch in biologischen Systemen vor. Bei bestimmten Meerestieren und Meeresorganismen sind zahlreiche natürlich vorkommende bromorganische Verbindungen bekannt. Sie können beispielsweise der chemischen Abwehr oder anderen biologischen Funktionen dienen. Die Naturchemie des Broms ist damit deutlich vielfältiger, als seine industrielle Nutzung zunächst vermuten lässt.
Auch im menschlichen Körper sind Bromid-Ionen nachweisbar. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Bromid für bestimmte enzymatische Prozesse, insbesondere bei der Bildung und Stabilisierung von Kollagen-IV-Netzwerken in Basalmembranen, eine wichtige Rolle spielt. Brom wird deshalb in der Fachliteratur als biologisch relevantes Spurenelement diskutiert. Daraus folgt jedoch keine allgemeine Empfehlung zur zusätzlichen Einnahme von Bromid. Für den Menschen sind weder ein allgemein anerkannter täglicher Brombedarf noch eine routinemäßige Nahrungsergänzung etabliert.
Historisch wurden Bromidsalze unter anderem als Beruhigungs- und Arzneimittel eingesetzt. Bei übermäßiger oder langfristiger Aufnahme können sie jedoch gesundheitliche Schäden verursachen. Das als Bromismus bekannte Vergiftungsbild kann unter anderem neurologische und psychische Symptome hervorrufen. Die frühere medizinische Nutzung zeigt deshalb zugleich, warum zwischen therapeutischer Wirkung, Dosierung und toxikologischem Risiko unterschieden werden muss.
Ist Brom giftig? Sicherheit und Umwelt
Elementares Brom ist ein gefährlicher Stoff. Seine Dämpfe reizen Augen, Haut und Atemwege stark. Flüssiges Brom kann schwere Verätzungen verursachen. Bei höherer Exposition sind ernsthafte Schäden der Atemwege möglich. Der Umgang mit Brom erfordert deshalb geschlossene Systeme oder geeignete Laborabzüge, persönliche Schutzausrüstung und fachkundige Sicherheitsmaßnahmen.
Auch bei Bromverbindungen ist eine differenzierte Bewertung notwendig. Viele anorganische Bromidsalze sind bei sachgerechtem Umgang deutlich weniger gefährlich als elementares Brom. Dennoch können auch sie bei übermäßiger Aufnahme gesundheitliche Wirkungen entfalten. Einige organische Bromverbindungen sind wiederum toxikologisch und ökologisch besonders relevant.
In der Umwelt können langlebige bromorganische Stoffe problematisch sein, wenn sie nur langsam abgebaut werden, sich in Organismen anreichern oder über weite Strecken transportiert werden. Für die Beurteilung sind deshalb nicht allein der Bromgehalt, sondern vor allem die Eigenschaften der jeweiligen Verbindung entscheidend.
Die Isotope des Broms – zwei nahezu gleich häufige Varianten
Natürliches Brom besteht überwiegend aus zwei stabilen Isotopen: Brom-79 (⁷⁹Br) und Brom-81 (⁸¹Br). Beide kommen mit annähernd gleichen Häufigkeiten vor. Die Atome besitzen jeweils 35 Protonen, unterscheiden sich aber in ihrer Neutronenzahl: Brom-79 enthält 44 Neutronen, Brom-81 dagegen 46.
Diese ungewöhnlich ähnliche natürliche Häufigkeit ist auch für die instrumentelle Analytik interessant. In der Massenspektrometrie können bromhaltige Moleküle häufig an einem charakteristischen Isotopenmuster erkannt werden: Bei Molekülen mit einem Bromatom treten zwei entsprechende Signale ungefähr im Verhältnis 1 : 1 auf. Dadurch lässt sich die Anwesenheit eines Bromatoms in vielen Fällen besonders gut erkennen.
Die im Periodensystem angegebene relative Atommasse von etwa 79,904 ergibt sich aus der gewichteten mittleren Masse der natürlich vorkommenden Isotope.
Fünf interessante Fakten über Brom
Brom ist bei Raumtemperatur flüssig. Unter den Nichtmetallen ist diese Eigenschaft einzigartig.
Sein Name bedeutet sinngemäß „Gestank“. Die Bezeichnung verweist auf den stechenden Geruch der Bromdämpfe, nicht auf eine sichere Möglichkeit der Stoffidentifizierung.
Brom ist schwerer als Wasser. Die Flüssigkeit besitzt eine Dichte von etwa 3,1 g/cm³.
Brom hat die analoge Fotografie mitgeprägt. Silberbromid war ein zentraler Bestandteil lichtempfindlicher fotografischer Materialien.
Seine beiden stabilen Isotope sind nahezu gleich häufig. Das erzeugt ein auffälliges Isotopenmuster in der Massenspektrometrie.
Brom im Chemieunterricht – ein Element mit vielen Anknüpfungspunkten
Brom eignet sich hervorragend, um mehrere Grundprinzipien der Chemie miteinander zu verbinden. Der Vergleich mit Chlor und Iod macht die Trends innerhalb einer Elementgruppe verständlich. Die Oxidation von Bromid zu Brom verdeutlicht Redoxreaktionen und unterschiedliche Oxidationsvermögen. Die Eigenschaften von Brom, Bromidsalzen und bromorganischen Stoffen zeigen, warum chemische Bindung und Molekülstruktur für das Verhalten einer Substanz entscheidend sind.
Darüber hinaus eröffnen die Anwendungen in der Fotografie, Wasserdesinfektion und Materialtechnik Verbindungen zwischen Chemiegeschichte, industrieller Praxis und aktuellen Umweltfragen. Wegen der Gefährlichkeit elementaren Broms sollten diese Zusammenhänge im Schulunterricht vorzugsweise anhand von Modellen, Abbildungen, geeigneten Demonstrationsmedien oder ungefährlicheren Vergleichssystemen vermittelt werden.
Die Stellung des Broms innerhalb der Halogene sowie seine Elektronenkonfiguration können im Online-Periodensystem betrachtet werden. Besonders aufschlussreich ist der direkte Vergleich mit dem bereits beschriebenen Element Chlor (Cl).
Fazit – ein ungewöhnliches Element zwischen Natur und Technik
Brom gehört zu den faszinierendsten Elementen des Periodensystems. Seine dunkelrotbraune Flüssigkeit, seine hohe Reaktivität und seine Stellung zwischen gasförmigem Chlor und festem Iod machen es zu einem anschaulichen Beispiel für die Gesetzmäßigkeiten des Periodensystems. Gleichzeitig zeigt seine Geschichte, wie aus der Untersuchung von Meerwasser ein Element entdeckt wurde, das später in der Fotografie, chemischen Industrie und Wasseraufbereitung Bedeutung erlangte.
Die wichtigste Erkenntnis lautet jedoch: Brom ist nicht gleich Bromverbindung. Erst die genaue chemische Form bestimmt, welche Eigenschaften, Anwendungen und Risiken ein bromhaltiger Stoff besitzt. Gerade deshalb ist Brom ein besonders geeignetes Element, um die Bedeutung wissenschaftlich präziser Stoffbeschreibungen zu verstehen.
Literatur und wissenschaftliche Quellen
Buchquellen
Gray, Theodore (2013): Die Elemente. Bausteine unserer Welt. Köln: Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-000-5.
Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen (2006): Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt. 1. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-31789-9.
Wissenschaftliche Referenzen und weiterführende Informationen
International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC): Periodic Table of the Elements und Standard Atomic Weights – Referenzangaben zur Elementklassifikation und Atommasse. https://iupac.org/
Royal Society of Chemistry (RSC): Periodic Table – Bromine – Eigenschaften, Geschichte und Anwendungen des Elements. https://www.rsc.org/periodic-table/element/35/bromine
National Institute of Standards and Technology (NIST): Chemistry WebBook – physikalisch-chemische Stoffdaten. https://webbook.nist.gov/chemistry/
U.S. Geological Survey (USGS): Mineral Commodity Summaries – Bromine – Rohstoffgewinnung und wirtschaftliche Bedeutung. https://www.usgs.gov/centers/national-minerals-information-center
McCall, A. S. et al. (2014): Bromine Is an Essential Trace Element for Assembly of Collagen IV Scaffolds in Tissue Development and Architecture. Cell, 157(6), 1380–1392. https://doi.org/10.1016/j.cell.2014.05.009
Hinweis: Die Buchquellen liefern die historische und anschauliche Grundlage. Die ergänzenden Referenzen dienen insbesondere der Einordnung moderner Elementdaten, technischer Anwendungen und biologischer Forschung.