Barium (Ba) – Eigenschaften, Vorkommen und Verwendung
Barium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Ba und der Ordnungszahl 56. Es gehört zu den Erdalkalimetallen und ist ein silberweißes, vergleichsweise weiches Metall, das mit Luft und Wasser rasch reagiert. In reiner Form begegnet uns Barium im Alltag praktisch nie. Seine Verbindungen spielen dagegen eine erstaunlich vielseitige Rolle: Sie machen den Verdauungstrakt auf Röntgenbildern sichtbar, verbessern bestimmte Gläser und Keramiken und liefern die charakteristische grüne Farbe mancher Feuerwerkskörper. Besonders faszinierend ist dabei ein scheinbarer Widerspruch: Während zahlreiche lösliche Bariumverbindungen giftig sind, wird das nahezu wasserunlösliche Bariumsulfat gezielt in der medizinischen Diagnostik eingesetzt.
Barium im Periodensystem – die wichtigsten Daten
Eigenschaft | Wert |
|---|---|
Elementname | Barium |
Elementsymbol | Ba |
Ordnungszahl | 56 |
Relative Atommasse | 137,327 |
Elementgruppe | 2 – Erdalkalimetalle |
Periode | 6 |
Block | s-Block |
Aggregatzustand bei 20 °C | fest |
Aussehen | silberweiß, metallisch glänzend |
Dichte bei Raumtemperatur | ca. 3,51 g/cm³ |
Schmelzpunkt | ca. 727 °C |
Siedepunkt | ca. 1.897 °C |
Elektronenkonfiguration | [Xe] 6s² |
Schalenbesetzung | 2, 8, 18, 18, 8, 2 |
Pauling-Elektronegativität | 0,89 |
Häufigste Oxidationszahl | +2 |
Kristallstruktur | kubisch-raumzentriert |
Namensherkunft | griechisch barys = schwer |
Mit seinen 56 Protonen steht Barium in der zweiten Hauptgruppe des Periodensystems. Oberhalb befinden sich die Erdalkalimetalle Strontium, Calcium, Magnesium und Beryllium; unterhalb folgt das radioaktive Radium. Die Stellung in dieser Gruppe erklärt einen großen Teil seiner chemischen Eigenschaften. Einen Überblick über die Nachbarelemente und die Entwicklung ihrer Eigenschaften bietet das interaktive Periodensystem von blume.
Die Entdeckung des Bariums – vom schweren Mineral zum reaktiven Metall
Die Geschichte des Bariums beginnt nicht mit einem glänzenden Metallstück, sondern mit einem auffällig schweren Mineral. Schon lange bevor Barium als chemisches Element bekannt war, kannten Bergleute den Schwerspat, auch Baryt genannt. Sein Name beschreibt eine Eigenschaft, die man bereits beim Anheben bemerkt: Für ein nichtmetallisches Mineral besitzt Schwerspat eine ungewöhnlich hohe Dichte.
Im Jahr 1774 untersuchte der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele Schwerspat und erkannte, dass er eine bislang unbekannte erdalkalische Komponente enthielt. Eine Isolierung des Metalls gelang ihm jedoch nicht. Das war wenig überraschend, denn Barium kommt in der Natur nur in chemisch gebundener Form vor und lässt sich aufgrund seiner hohen Reaktivität nicht einfach aus seinen Verbindungen gewinnen.
Erst 1808 gelang dem britischen Chemiker Humphry Davy die Darstellung von metallischem Barium. Davy experimentierte mit der Elektrolyse und nutzte elektrische Energie, um chemische Verbindungen zu zerlegen. In dieser Zeit isolierte er auch andere reaktive Metalle und trug entscheidend dazu bei, die Natur der Erdalkalimetalle aufzuklären.
Der Elementname leitet sich vom griechischen Wort barys für „schwer“ ab. Gemeint war ursprünglich die auffällige Schwere seiner Mineralien, nicht eine außergewöhnlich hohe Dichte des reinen Metalls. Barium ist mit etwa 3,51 g/cm³ beispielsweise deutlich leichter als Eisen.
Welche Eigenschaften hat Barium?
Frisch geschnittenes Barium besitzt einen silberweißen, metallischen Glanz. Es ist relativ weich und lässt sich mechanisch bearbeiten. Seine Oberfläche bleibt jedoch nicht lange blank: An der Luft reagiert das Metall mit Sauerstoff und Feuchtigkeit, sodass sich Reaktionsprodukte bilden. Deshalb wird Barium unter geeigneten Schutzbedingungen aufbewahrt und verarbeitet.
Chemisch ist Barium ein ausgeprägtes unedles Metall. Seine beiden Außenelektronen befinden sich im 6s-Orbital. Bei chemischen Reaktionen gibt es diese Elektronen leicht ab und bildet zweifach positiv geladene Bariumionen:
Ba → Ba²⁺ + 2 e⁻
Die Oxidationszahl +2 ist deshalb für Bariumverbindungen charakteristisch. Im Vergleich zu vielen Übergangsmetallen zeigt Barium keine große Vielfalt stabiler Oxidationsstufen.
Warum reagiert Barium so heftig mit Wasser?
Barium reagiert bereits mit kaltem Wasser unter Bildung von Bariumhydroxid und Wasserstoff. Die Reaktionsgleichung lautet:
Ba + 2 H₂O → Ba(OH)₂ + H₂↑
Dabei entsteht eine alkalische Lösung. Das frei werdende Wasserstoffgas ist brennbar, und die Reaktion setzt Wärme frei. Barium darf deshalb nicht wie ein gewöhnliches Metall behandelt oder ungeschützt mit Wasser in Kontakt gebracht werden.
Innerhalb der Erdalkalimetalle nimmt die Reaktivität von Magnesium über Calcium und Strontium bis zum Barium im Allgemeinen zu. Der Grund liegt unter anderem darin, dass die beiden Außenelektronen mit zunehmender Atomgröße leichter abgegeben werden können.
Barium und Sauerstoff
Auch mit Sauerstoff reagiert Barium bereitwillig. Dabei kann Bariumoxid (BaO) entstehen; unter geeigneten Bedingungen bildet sich außerdem Bariumperoxid (BaO₂). Diese Reaktivität erklärt, weshalb metallisches Barium nicht dauerhaft an der Luft aufbewahrt werden kann.
Eine technisch interessante Folge ist seine Fähigkeit, bestimmte Restgase chemisch zu binden. Diese Eigenschaft wurde insbesondere in der Vakuumtechnik genutzt.
Wo kommt Barium in der Natur vor?
Obwohl reines Barium in der Natur praktisch nicht vorkommt, ist das Element in der Erdkruste keineswegs außergewöhnlich selten. Aufgrund seiner Reaktionsfreudigkeit liegt es überwiegend als Bestandteil von Mineralien vor.
Die beiden wichtigsten Bariumminerale sind Schwerspat (Baryt, BaSO₄) und Witherit (BaCO₃).
Schwerspat – das wichtigste Bariummineral
Schwerspat besteht aus Bariumsulfat und ist die wirtschaftlich bedeutendste natürliche Bariumverbindung. Sein auffällig hohes Gewicht gab ihm den Namen. Mit einer Dichte von ungefähr 4,5 g/cm³ ist er erheblich schwerer als viele verbreitete gesteinsbildende Minerale.
Baryt kann farblos, weiß, gelblich oder durch Fremdstoffe unterschiedlich gefärbt sein. Er bildet häufig tafelige Kristalle und kommt unter anderem in hydrothermalen Gängen sowie sedimentären Lagerstätten vor. Die Verbindung ist in Wasser nur äußerst schwer löslich. Gerade diese Eigenschaft macht Bariumsulfat für verschiedene Anwendungen interessant.
Witherit – Bariumcarbonat aus der Natur
Witherit ist ein Mineral mit der chemischen Formel BaCO₃. Im Unterschied zum sehr schwer löslichen Bariumsulfat kann Bariumcarbonat unter sauren Bedingungen leichter gelöst werden. Dabei können lösliche Bariumionen entstehen, die gesundheitlich problematisch sind.
Der Vergleich von Baryt und Witherit zeigt, wie stark die Eigenschaften von Bariumverbindungen von ihrem jeweiligen Anion und ihrer Löslichkeit abhängen.
Wie wird Barium gewonnen?
Industriell werden Bariumverbindungen überwiegend aus Schwerspat hergestellt. Da Bariumsulfat sehr stabil und schwer löslich ist, muss es für viele weitere Verarbeitungsschritte zunächst chemisch umgewandelt werden.
Eine wichtige Reaktion ist die Reduktion von Bariumsulfat mit Kohlenstoff bei hohen Temperaturen zu Bariumsulfid:
BaSO₄ + 4 C → BaS + 4 CO
Das entstandene Bariumsulfid kann als Ausgangsstoff für weitere Bariumverbindungen dienen. Metallisches Barium wird in spezialisierten Verfahren aus geeigneten Bariumverbindungen gewonnen, beispielsweise durch metallothermische Reduktion unter Vakuum. Aufgrund seiner hohen Reaktivität ist die Herstellung und Handhabung aufwendig.
Bariumsulfat – warum eine Bariumverbindung in der Medizin eingesetzt wird
Eine der bekanntesten Anwendungen von Barium ist die medizinische Röntgendiagnostik. Hierbei wird allerdings nicht das Metall verwendet, sondern hochreines, speziell aufbereitetes Bariumsulfat (BaSO₄).
Barium besitzt eine hohe Ordnungszahl. Dadurch schwächt es Röntgenstrahlung stark ab und erzeugt einen deutlichen Kontrast auf Röntgenaufnahmen. Als Suspension kann medizinisches Bariumsulfat bestimmte Abschnitte des Verdauungstrakts sichtbar machen. So lassen sich beispielsweise Form und Verlauf von Speiseröhre, Magen oder Darm untersuchen.
Ist Barium nicht giftig?
Diese Frage ist berechtigt. Viele lösliche Bariumverbindungen sind gesundheitsschädlich, weil sie im Körper Bariumionen freisetzen können. Bariumsulfat besitzt jedoch eine extrem geringe Wasserlöslichkeit und wird unter normalen Anwendungsbedingungen im Verdauungstrakt nur in sehr geringem Umfang aufgenommen.
Entscheidend ist also nicht allein, welches Element eine Verbindung enthält, sondern auch, wie die Verbindung aufgebaut ist und wie gut sie sich löst.
Medizinisch verwendetes Bariumsulfat muss strenge Reinheitsanforderungen erfüllen. Seine Anwendung erfolgt nach medizinischer Indikationsstellung und ist nicht für jede Untersuchungssituation geeignet. Bei Verdacht auf bestimmte Verletzungen oder Durchbrüche des Magen-Darm-Trakts können andere Kontrastmittel erforderlich sein.
Dieses Beispiel eignet sich hervorragend für den Chemieunterricht: Es verdeutlicht den Unterschied zwischen einem chemischen Element, seinen Ionen und den Eigenschaften einer konkreten Verbindung.
Barium und die grüne Flamme – Chemie der Feuerwerksfarben
Bariumverbindungen können einer Flamme eine charakteristische gelbgrüne bis grüne Färbung verleihen. Deshalb werden geeignete Bariumverbindungen in pyrotechnischen Zusammensetzungen zur Erzeugung grüner Farbe verwendet.
Die Farbe entsteht durch Lichtemission angeregter Teilchen und durch bestimmte gasförmige Bariumverbindungen in der heißen Flamme. Die genaue Farbwirkung hängt von der Zusammensetzung und den Reaktionsbedingungen ab.
Der zugrunde liegende physikalische Gedanke lässt sich vereinfacht so beschreiben: Wird Energie zugeführt, können Elektronen in höhere Energiezustände gelangen. Beim Übergang in energetisch niedrigere Zustände wird Licht bestimmter Wellenlängen abgegeben. Welche Spektrallinien und Emissionsbanden auftreten, ist für die jeweiligen Atome und Moleküle charakteristisch.
Im Chemieunterricht wird die Flammenfärbung häufig genutzt, um unterschiedliche Metallionen zu vergleichen. Während beispielsweise Strontiumverbindungen eine rote Färbung erzeugen können, ist Grün charakteristisch für geeignete Bariumverbindungen.
Wichtig: Die Flammenfärbung mit Bariumverbindungen gehört aufgrund möglicher Gesundheitsgefahren ausschließlich in fachkundig betreute Labor- oder Unterrichtssituationen mit geeigneten Schutzmaßnahmen.
Barium in Glas, Keramik und technischen Werkstoffen
Bariumverbindungen sind für die Werkstofftechnik interessant, weil sie bestimmte physikalische und chemische Eigenschaften von Materialien beeinflussen können.
Spezialgläser und optische Anwendungen
Bariumoxid (BaO) wird beziehungsweise wurde in bestimmten Spezialglasrezepturen eingesetzt. Es kann Eigenschaften wie die Brechzahl und die Verarbeitung des Glases beeinflussen. Bariumhaltige Gläser finden daher in ausgewählten technischen und optischen Anwendungen Verwendung.
Die genaue Bedeutung hängt stark von der jeweiligen Glaszusammensetzung ab. Nicht jedes optische Glas enthält Barium, und moderne Rezepturen können andere Bestandteile nutzen.
Bariumtitanat – ein wichtiger keramischer Funktionswerkstoff
Eine besonders bedeutende Verbindung ist Bariumtitanat (BaTiO₃). Es handelt sich um ein keramisches Material mit bemerkenswerten elektrischen Eigenschaften.
Bariumtitanat kann ferroelektrisches Verhalten zeigen. Das bedeutet, dass es unter geeigneten Bedingungen eine elektrische Polarisation besitzt, die durch ein äußeres elektrisches Feld verändert werden kann. Zudem weist es in bestimmten Temperaturbereichen eine hohe Dielektrizitätskonstante auf.
Diese Eigenschaften machen Bariumtitanat zu einem wichtigen Material für keramische Kondensatoren, insbesondere für mehrlagige Keramikkondensatoren, die in zahlreichen elektronischen Geräten eingesetzt werden.
Hier zeigt sich ein faszinierender Zusammenhang innerhalb des Periodensystems: Barium aus der zweiten Hauptgruppe bildet zusammen mit dem Übergangsmetall Titan eine Verbindung, deren elektrische Eigenschaften für moderne Elektronik entscheidend sind.
Barium als Bestandteil weiterer Werkstoffe
Bariumverbindungen kommen außerdem in bestimmten Keramiken, Glasuren, Pigmenten und technischen Spezialmaterialien zum Einsatz. Ihre Verwendung hängt von der gewünschten chemischen Beständigkeit, optischen Wirkung oder elektrischen Funktion ab. Wegen der möglichen Giftigkeit löslicher Bariumverbindungen sind dabei die jeweilige Verbindung, der Herstellungsprozess und die geltenden Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen.
Metallisches Barium als Getter in Vakuumröhren
Eine Anwendung, die besonders anschaulich in Theodore Grays Buch dargestellt wird, ist die Verwendung von Barium in bestimmten Vakuumröhren.
In einer Elektronenröhre muss der Innenraum weitgehend frei von Gasen sein. Verbleibende Gasmoleküle können den Betrieb stören und die Lebensdauer der Bauteile verkürzen.
Hier kommt ein sogenannter Getter zum Einsatz: ein reaktiver Stoff, der Restgase bindet. Barium eignet sich dafür aufgrund seiner hohen chemischen Reaktivität. In vielen klassischen Elektronenröhren wurde ein bariumhaltiges Gettermaterial nach dem Verschließen der Röhre aktiviert. Dabei bildete sich häufig ein silbrig glänzender Belag an der Glasinnenseite.
Dieser Spiegel ist also nicht einfach eine dekorative Metallschicht, sondern ein sichtbarer Hinweis auf ein Verfahren zur Verbesserung des Vakuums. Die Technik war insbesondere bei klassischen Radio- und Fernsehröhren sowie anderen elektronischen Vakuumbauteilen wichtig.
Warum ist Barium schwer, aber kein besonders dichtes Metall?
Der Name Barium bedeutet „schwer“. Das kann leicht zu einem Missverständnis führen: Barium ist zwar ein Element mit einer relativ hohen Atommasse, sein Metall besitzt aber keine außergewöhnlich hohe Dichte.
Der Grund liegt darin, dass die Dichte nicht nur von der Masse einzelner Atome abhängt, sondern auch davon, wie viel Raum diese Atome im Kristall einnehmen. Bariumatome sind vergleichsweise groß. Das Metall besitzt deshalb mit etwa 3,51 g/cm³ eine wesentlich geringere Dichte als beispielsweise Eisen oder Kupfer.
Der historische Name bezieht sich vor allem auf das Mineral Schwerspat. Mit rund 4,5 g/cm³ ist dieses für ein nichtmetallisches Mineral tatsächlich auffällig schwer.
Der Unterschied zwischen Atommasse und Dichte ist ein gutes Beispiel dafür, weshalb man chemische und physikalische Eigenschaften nicht allein aus einer einzelnen Zahl im Periodensystem ableiten kann.
Welche Isotope besitzt Barium?
Natürliches Barium besteht aus mehreren Isotopen. Sie besitzen alle 56 Protonen im Atomkern, unterscheiden sich aber in der Anzahl ihrer Neutronen.
In der Natur kommen sieben als stabil geltende Bariumisotope vor: Barium-130, Barium-132, Barium-134, Barium-135, Barium-136, Barium-137 und Barium-138. Dabei ist Barium-138 mit ungefähr 71,7 Prozent mit Abstand am häufigsten.
Für einige der sehr seltenen Isotope werden extrem langsame radioaktive Zerfallsprozesse diskutiert beziehungsweise untersucht. Für die praktische Chemie des natürlichen Bariums werden die sieben genannten Isotope gewöhnlich als stabil behandelt.
Daneben gibt es zahlreiche künstlich erzeugte radioaktive Bariumisotope. Einige entstehen bei Kernspaltungsprozessen und sind deshalb für die Kernchemie und die Untersuchung radioaktiver Zerfallsreihen von Bedeutung.
Barium und Gesundheit – was ist gefährlich?
Barium ist nach heutigem Kenntnisstand kein für den Menschen nachgewiesen essenzielles Spurenelement. Anders als beispielsweise Calcium besitzt es keine allgemein anerkannte lebensnotwendige Funktion im menschlichen Stoffwechsel.
Die gesundheitliche Wirkung hängt entscheidend von der chemischen Verbindung und ihrer Bioverfügbarkeit ab.
Lösliche Bariumverbindungen können giftig sein. Gelangen größere Mengen an Bariumionen in den Körper, können sie unter anderem die Kaliumkanäle von Zellen beeinflussen. Schwere Vergiftungen können Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen und weitere lebensbedrohliche Symptome hervorrufen.
Das schwer lösliche Bariumsulfat nimmt eine Sonderstellung ein, weil daraus unter üblichen Bedingungen nur sehr geringe Mengen gelöster Bariumionen entstehen. Deshalb kann speziell gereinigtes Bariumsulfat als medizinisches Kontrastmittel verwendet werden.
Metallisches Barium wiederum ist wegen seiner Reaktivität gefährlich. Beim Kontakt mit Wasser entstehen Wärme, Wasserstoff und stark alkalische Reaktionsprodukte.
Für die Sicherheitsbewertung gilt daher: „Barium“ ist keine ausreichende Stoffbezeichnung, um eine konkrete Gefahr zu beurteilen. Entscheidend sind die genaue Verbindung, ihre Löslichkeit, die Expositionsform und die eingesetzte Menge.
Barium im Chemieunterricht – ein Element mit vielen Lernmöglichkeiten
Barium eignet sich hervorragend, um mehrere grundlegende Themen der Chemie miteinander zu verbinden.
Periodensystem und Elementgruppen: Die Stellung in der zweiten Hauptgruppe erklärt die bevorzugte Oxidationszahl +2 und die Verwandtschaft mit Calcium und Strontium.
Redoxreaktionen: Die Reaktion des Metalls mit Wasser zeigt, wie ein unedles Metall Elektronen abgibt und Wasserstoff freigesetzt wird.
Löslichkeit und Fällungsreaktionen: Bariumsulfat ist ein klassisches Beispiel für eine schwer lösliche Verbindung. In der qualitativen Analyse kann die Bildung eines weißen Bariumsulfat-Niederschlags zum Nachweis von Sulfationen dienen. Wegen der Giftigkeit vieler löslicher Bariumsalze sind dabei geeignete Laborverfahren und Schutzmaßnahmen erforderlich.
Atomphysik und Spektroskopie: Die grüne Flammenfärbung eröffnet einen Zugang zu elektronischen Energiezuständen und zur Entstehung von Emissionsspektren.
Chemie und Medizin: Der Einsatz von Bariumsulfat als Kontrastmittel verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Stoffeigenschaften, Löslichkeit und biologischer Wirkung.
Materialwissenschaft: Bariumtitanat zeigt, dass chemische Verbindungen Eigenschaften besitzen können, die sich nicht unmittelbar aus den Eigenschaften ihrer einzelnen Elemente ergeben.
Gerade für den Unterricht ist es hilfreich, Barium im Zusammenhang mit den anderen Erdalkalimetallen zu betrachten. Das Online-Periodensystem von blume ermöglicht eine systematische Einordnung der Elementdaten.
Interessante Fakten über Barium
1. Ein schweres Mineral gab dem Element seinen Namen. Nicht das reine Metall, sondern der auffällig schwere Schwerspat war für die Namensgebung ausschlaggebend.
2. Barium kann Röntgenbilder kontrastreicher machen. Hochreines Bariumsulfat wird aufgrund seiner starken Abschwächung von Röntgenstrahlung in der medizinischen Diagnostik verwendet.
3. Bariumverbindungen können Flammen grün färben. Diese Eigenschaft wird unter anderem in der Pyrotechnik genutzt.
4. Barium hilft bei der Herstellung elektronischer Bauteile. Bariumtitanat ist ein wichtiger Funktionswerkstoff für keramische Kondensatoren.
5. Barium kann Restgase binden. Diese Fähigkeit wurde in bestimmten Elektronen- und Vakuumröhren technisch genutzt.
6. Die Löslichkeit verändert die Gefährlichkeit erheblich. Während viele lösliche Bariumverbindungen giftig sind, ist Bariumsulfat aufgrund seiner äußerst geringen Löslichkeit für spezielle medizinische Anwendungen geeignet.
7. Barium ist chemisch mit Calcium verwandt. Beide Elemente besitzen zwei Außenelektronen und bilden bevorzugt zweifach positiv geladene Ionen. Ihre biologischen Wirkungen unterscheiden sich jedoch erheblich.
Fazit: Barium – ein reaktives Metall mit überraschend vielseitigen Verbindungen
Barium gehört zu den reaktionsfreudigen Erdalkalimetallen und kommt deshalb in der Natur ausschließlich chemisch gebunden vor. Besonders wichtig ist das Mineral Schwerspat, aus dem zahlreiche Bariumverbindungen hergestellt werden.
Seine Anwendungen reichen von medizinischen Röntgenkontrastmitteln über Spezialgläser und elektronische Keramiken bis zur Vakuumtechnik und Pyrotechnik. Dabei zeigt Barium besonders deutlich, dass die Eigenschaften eines Elements nicht mit denen aller seiner Verbindungen gleichgesetzt werden dürfen.
Wer Barium versteht, lernt deshalb weit mehr als die Eigenschaften eines einzelnen Metalls: Das Element veranschaulicht grundlegende Zusammenhänge zwischen Atombau, chemischer Bindung, Löslichkeit, Reaktivität und technischer Anwendung.
Quellen und weiterführende Literatur
Buchquellen
Gray, Theodore (2013): Die Elemente. Bausteine unserer Welt. Köln: Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-000-5. Insbesondere die Darstellung von Barium, seinen Verbindungen und der Verwendung in der Vakuumtechnik.
Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen (2006): Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt. 1. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-31789-9. Insbesondere die Angaben zur Entdeckung, zu den Mineralien und zu den chemischen Eigenschaften des Bariums.
Wissenschaftliche Referenzen zur Vertiefung
Royal Society of Chemistry (RSC): Periodic Table – Barium. Elementdaten, Eigenschaften, Geschichte und Anwendungen.
IUPAC: Periodic Table of the Elements. Internationale Referenz für Elementbezeichnungen und Atommassen.
National Institute of Standards and Technology (NIST): Atomic Spectra Database. Spektroskopische Daten und atomare Übergänge.
U.S. Geological Survey (USGS): Mineral Commodity Summaries. Informationen zu Baryt als mineralischem Rohstoff.
PubChem, National Library of Medicine: Barium sulfate. Chemische Eigenschaften und weiterführende Stoffinformationen.
Hinweis: Die angegebenen Zahlenwerte sind gerundet. Je nach Referenzwerk können insbesondere physikalische Stoffdaten geringfügig abweichen.