Fluor (F) – Eigenschaften, Vorkommen und Verwendung
Fluor (F) ist das reaktivste chemische Element und besitzt die höchste Elektronegativität aller Elemente. Das gelblich gefärbte, giftige Gas mit der Ordnungszahl 9 gehört zu den Halogenen und reagiert mit einer außergewöhnlich großen Zahl anderer Stoffe. In der Natur kommt Fluor deshalb praktisch ausschließlich in chemisch gebundener Form vor. Besonders bekannt sind Fluorverbindungen aus der Zahnpflege, der Kunststofftechnik und der chemischen Industrie. Während Fluoride in geeigneten Konzentrationen zum Schutz der Zähne beitragen können, ist elementares Fluor hochgefährlich. Die Geschichte seiner Entdeckung zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es sein kann, ein besonders reaktionsfreudiges Element erstmals in reiner Form darzustellen.
Fluor im Periodensystem – Steckbrief
Eigenschaft | Wert |
|---|---|
Elementname | Fluor |
Chemisches Symbol | F |
Ordnungszahl | 9 |
Relative Atommasse | 18,998403162 |
Gerundete Atommasse | 19,00 |
Periode | 2 |
Gruppe | 17 |
Elementklasse | Nichtmetall |
Elementfamilie | Halogene |
Elektronenkonfiguration | 1s² 2s² 2p⁵ |
Elektronenverteilung auf Schalen | 2, 7 |
Protonenzahl | 9 |
Elektronenzahl (neutrales Atom) | 9 |
Aggregatzustand bei 20 °C | gasförmig |
Farbe | blassgelb |
Dichte bei 0 °C und 1013,25 hPa | ca. 1,70 g/L |
Schmelzpunkt | ca. −219,7 °C |
Siedepunkt | ca. −188,1 °C |
Erste Ionisierungsenergie | ca. 1681 kJ/mol |
Elektronegativität nach Pauling | 3,98 |
Häufige Oxidationszahl | −1 |
Natürliches stabiles Isotop | Fluor-19 |
Erstmalige Isolierung | Henri Moissan, 1886 |
Namensherkunft | Lateinisch fluere = fließen |
Fluor steht in der zweiten Periode und in der 17. Gruppe des Periodensystems. Es besitzt sieben Außenelektronen und benötigt formal nur ein weiteres Elektron, um eine vollständig besetzte Außenschale zu erreichen. Diese Elektronenstruktur trägt wesentlich zu seiner hohen Reaktivität bei.
Was ist Fluor?
Fluor ist ein chemisches Element aus der Gruppe der Halogene. Zu dieser Elementfamilie gehören außerdem Chlor, Brom, Iod, Astat und Tenness. Unter gewöhnlichen Bedingungen liegt elementares Fluor als zweiatomiges Molekül F₂ vor. Ein Fluoratom besitzt neun Protonen und neun Elektronen. Seine Elektronenkonfiguration lautet 1s² 2s² 2p⁵. In der äußersten Elektronenschale befinden sich sieben Elektronen. In chemischen Verbindungen bildet Fluor häufig Fluorid-Ionen (F⁻) oder kovalente Bindungen mit anderen Atomen. Aufgrund seiner hohen Elektronegativität zieht es die Bindungselektronen besonders stark an. In seinen Verbindungen besitzt Fluor praktisch immer die Oxidationszahl −1. Die Kombination aus hoher Elektronegativität, geringer Atomgröße und den energetischen Eigenschaften seiner Verbindungen erklärt seine außergewöhnliche Stellung innerhalb des Periodensystems.
Warum ist Fluor das reaktivste Element?
Fluor reagiert mit sehr vielen Elementen und Verbindungen, häufig bereits bei niedrigen Temperaturen. Seine starke oxidierende Wirkung beruht nicht allein auf der Elektronegativität. Entscheidend sind auch die vergleichsweise schwache Bindung innerhalb des F₂-Moleküls sowie die hohe Stabilität zahlreicher entstehender Fluorverbindungen. Die Reaktion mit Wasserstoff kann äußerst heftig verlaufen:
H₂ + F₂ → 2 HF
Dabei entsteht Fluorwasserstoff (HF). Auch viele Metalle, Nichtmetalle und organische Stoffe reagieren mit elementarem Fluor. Unter bestimmten Bedingungen können sogar Stoffe reagieren, die gegenüber anderen Oxidationsmitteln vergleichsweise beständig sind. Die außerordentliche Reaktionsfreudigkeit machte die historische Isolierung von Fluor besonders schwierig.
Welche physikalischen Eigenschaften hat Fluor?
Bei Raumtemperatur und normalem Luftdruck ist Fluor ein blassgelbes Gas mit stechendem Geruch. Es ist hochgiftig und stark ätzend. Bereits geringe Konzentrationen können schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Fluor schmilzt bei ungefähr −219,7 °C und siedet bei etwa −188,1 °C. Damit gehört es zu den Elementen mit besonders niedrigen Schmelz- und Siedepunkten. Wie die anderen Halogene bildet elementares Fluor unter gewöhnlichen Bedingungen zweiatomige Moleküle. Aufgrund seiner hohen Reaktivität muss es in speziell geeigneten Anlagen und Behältern gehandhabt werden.
Warum kann Fluor überhaupt in Behältern aufbewahrt werden?
Obwohl Fluor viele Materialien angreift, können bestimmte Metalle unter kontrollierten Bedingungen eine schützende Oberflächenschicht aus Metallfluoriden ausbilden. Diese sogenannte Passivierung verringert die weitere Reaktion zwischen dem Metall und dem Fluor. Für technische Anlagen werden deshalb sorgfältig ausgewählte Werkstoffe und besondere Sicherheitsverfahren eingesetzt. Die Materialverträglichkeit hängt unter anderem von Temperatur, Druck, Reinheit und Oberflächenzustand ab. Ein gewöhnlicher Behälter ist für die Aufbewahrung von elementarem Fluor nicht geeignet.
Die Entdeckung des Fluors – Scheele und Moissan
Die Entdeckung des Fluors erstreckte sich über mehr als ein Jahrhundert. Lange bevor das Element selbst isoliert werden konnte, kannten Chemiker bereits fluorhaltige Minerale und untersuchten deren chemische Eigenschaften. Die große Schwierigkeit bestand darin, dass freies Fluor mit vielen Apparaturmaterialien reagierte und bei Versuchen mit Fluorwasserstoff erhebliche Gesundheitsgefahren auftraten. Zahlreiche Forscher beschäftigten sich mit diesem Problem. Zwei Namen sind besonders wichtig: Carl Wilhelm Scheele und Henri Moissan.
Carl Wilhelm Scheele – Untersuchungen zur Flusssäure ab 1771
Der schwedisch-deutsche Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) untersuchte im Jahr 1771 den Flussspat und die daraus gewinnbare Säure. Seine Arbeiten waren ein wichtiger Schritt zur Erforschung fluorhaltiger Verbindungen. Allerdings isolierte Scheele noch kein elementares Fluor. Die chemische Zusammensetzung der untersuchten Stoffe war zu dieser Zeit noch nicht vollständig verstanden. Auch die Unterscheidung zwischen Fluor als Element, Fluorwasserstoff und Fluoriden entwickelte sich erst allmählich.
André-Marie Ampère – Fluor als eigenständiges Element
Im frühen 19. Jahrhundert wurde zunehmend erkannt, dass Flusssäure eine Verbindung eines bislang nicht isolierten Elements sein musste. Der französische Wissenschaftler André-Marie Ampère (1775–1836) vertrat 1810 die Auffassung, dass Fluorwasserstoff ein bis dahin unbekanntes Element enthalte. Diese Überlegungen waren wichtig für die spätere Einordnung von Fluor als Halogen.
Henri Moissan – erstmals elementares Fluor im Jahr 1886
Der französische Chemiker Henri Moissan (1852–1907) gelang 1886 die erstmalige erfolgreiche Isolierung von elementarem Fluor. Er nutzte dazu die Elektrolyse einer wasserarmen Mischung aus Fluorwasserstoff und Kaliumhydrogenfluorid. Die Apparatur bestand aus besonders geeigneten Materialien, da das entstehende Fluor viele andere Stoffe unmittelbar angriff. Moissans Erfolg beendete eine lange Reihe schwieriger und teilweise gefährlicher Versuche verschiedener Forscher. Für seine Untersuchungen und die Entwicklung des elektrischen Ofens erhielt er 1906 den Nobelpreis für Chemie.
Woher stammt der Name Fluor?
Der Name Fluor leitet sich vom lateinischen Wort fluere ab, das „fließen“ bedeutet. Der historische Hintergrund liegt im Mineral Flussspat, das als Flussmittel bei metallurgischen Prozessen verwendet wurde. Flussmittel können die Verarbeitung bestimmter Materialien erleichtern, indem sie beispielsweise die Bildung einer leichter schmelzbaren Schlacke unterstützen. Die Namensgeschichte verbindet das Element somit unmittelbar mit einer frühen technischen Anwendung seiner Verbindungen.
Wo kommt Fluor in der Natur vor?
Aufgrund seiner außergewöhnlichen Reaktivität kommt Fluor auf der Erde praktisch nicht als freies Element vor. Stattdessen findet man es überwiegend in Form von Fluoriden und anderen fluorhaltigen Verbindungen. Fluor gehört zu den vergleichsweise häufigen Elementen der Erdkruste. Bedeutende fluorhaltige Minerale sind Fluorit, Fluorapatit und Kryolith. Auch natürliche Wässer und verschiedene Gesteine können Fluorid enthalten. Die Konzentrationen unterscheiden sich abhängig von den geologischen Bedingungen erheblich.
Fluorit – das Mineral Flussspat
Fluorit (CaF₂) ist eines der wichtigsten natürlichen Fluorminerale. Es wird auch als Flussspat bezeichnet und kommt in unterschiedlichen Farben vor. Seine Kristalle besitzen häufig eine würfelförmige Gestalt. Fluorit wird unter anderem zur Gewinnung von Fluorwasserstoff sowie als Ausgangsstoff für weitere chemische Produkte genutzt. Außerdem besitzt er Bedeutung als Flussmittel und in ausgewählten optischen Anwendungen.
Fluorapatit – Fluor in Mineralien und biologischen Strukturen
Fluorapatit besitzt die chemische Formel Ca₅(PO₄)₃F. Er gehört zur Gruppe der Apatite und ist ein fluorhaltiges Calciumphosphat. Apatitminerale spielen eine wichtige Rolle in der Geologie und als Rohstoff für die Phosphatindustrie. Im Zusammenhang mit Zähnen ist Fluorapatit besonders interessant, da fluoridhaltige Mineralphasen unter geeigneten Bedingungen zur höheren Säurebeständigkeit des Zahnschmelzes beitragen können.
Kryolith – ein historisch wichtiger Rohstoff
Kryolith ist ein fluorhaltiges Mineral mit der Formel Na₃AlF₆. Natürlicher Kryolith war historisch insbesondere aus Grönland bekannt. Heute werden für industrielle Anwendungen überwiegend synthetisch hergestellte fluorhaltige Stoffe verwendet. Kryolith und verwandte Fluoridschmelzen spielen bei der elektrolytischen Aluminiumgewinnung eine wichtige Rolle, da sie das Lösen von Aluminiumoxid in einer technisch geeigneten Schmelze ermöglichen.
Fluor, Fluorid und Fluorwasserstoff – wichtige Unterschiede
Die Begriffe Fluor, Fluorid und Fluorwasserstoff werden im Alltag gelegentlich miteinander verwechselt. Chemisch bezeichnen sie jedoch unterschiedliche Stoffe beziehungsweise Teilchen.
Begriff | Formel | Bedeutung |
|---|---|---|
Fluor | F₂ | elementares, hochreaktives und giftiges Gas |
Fluorid-Ion | F⁻ | negativ geladenes Fluor-Ion in vielen Verbindungen |
Fluorwasserstoff | HF | molekulare Verbindung aus Wasserstoff und Fluor |
Flusssäure | HF in Wasser | wässrige Lösung von Fluorwasserstoff |
Natriumfluorid | NaF | fluoridhaltiges Salz, unter anderem für Zahnpflegeprodukte |
Calciumfluorid | CaF₂ | Verbindung, die natürlich als Fluorit vorkommt |
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig für die Bewertung von Anwendungen und Gesundheitsrisiken. Die Eigenschaften einer chemischen Verbindung lassen sich nicht einfach aus denen des elementaren Fluors ableiten.
Fluorwasserstoff und Flusssäure
Fluorwasserstoff ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Fluor mit der Summenformel HF. Unter gewöhnlichen Bedingungen liegt reiner Fluorwasserstoff oberhalb seines Siedepunkts von etwa 19,5 °C als Gas vor. Seine wässrige Lösung wird als Flusssäure bezeichnet. Flusssäure besitzt eine besondere chemische Eigenschaft: Sie kann Siliciumdioxid und damit bestimmte silikatische Materialien angreifen. Deshalb wird sie unter kontrollierten industriellen Bedingungen beispielsweise bei der Bearbeitung von Glas und in speziellen Reinigungs- oder Ätzverfahren verwendet.
Warum ist Flusssäure besonders gefährlich?
Flusssäure ist stark gesundheitsschädlich. Fluorid kann nach Kontakt mit Haut oder Gewebe in tiefere Schichten eindringen und dort unter anderem Calcium- und Magnesium-Ionen binden. Dadurch können neben lokalen Verätzungen auch schwere systemische Vergiftungen entstehen. Die Schmerzen und sichtbaren Verletzungen können insbesondere bei verdünnten Lösungen verzögert auftreten. Flusssäure darf deshalb ausschließlich unter geeigneten professionellen Schutzmaßnahmen gehandhabt werden. Ihre Gefährlichkeit darf nicht mit der Wirkung üblicher fluoridhaltiger Zahnpflegeprodukte gleichgesetzt werden.
Fluor und Zahnpflege – warum schützt Fluorid die Zähne?
Eine der bekanntesten Anwendungen von Fluorverbindungen ist die Zahnpflege. In Zahnpasten werden geeignete Fluoridverbindungen eingesetzt, beispielsweise Natriumfluorid oder Natriummonofluorphosphat. Fluorid kann die Remineralisation angegriffener Zahnhartsubstanz unterstützen und die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegenüber Säureangriffen erhöhen. Außerdem kann es unter bestimmten Bedingungen die Aktivität kariesverursachender Bakterien beeinflussen. Entscheidend ist die richtige Dosierung. Eine übermäßige Fluoridaufnahme während der Zahnentwicklung kann zu einer Dentalfluorose führen. Für Kinder gelten deshalb altersgerechte Empfehlungen zur Fluoridkonzentration und zur verwendeten Zahnpastamenge.
Ist Fluorid in Zahnpasta dasselbe wie elementares Fluor?
Nein. Elementares Fluor ist ein hochreaktives Gas mit der Formel F₂. In Zahnpasten werden dagegen geeignete Fluoridverbindungen in festgelegten Konzentrationen verwendet. Sie besitzen andere chemische Eigenschaften als das elementare Gas. Aus der Gefährlichkeit von F₂ lässt sich deshalb nicht ableiten, dass jede fluoridhaltige Verbindung bei bestimmungsgemäßer Anwendung dieselbe Wirkung hätte.
Teflon (PTFE) – warum sind fluorhaltige Kunststoffe so beständig?
Polytetrafluorethylen, kurz PTFE, ist ein fluorhaltiger Kunststoff, der unter dem Handelsnamen Teflon bekannt wurde. Seine Polymerketten bestehen aus Kohlenstoffatomen, die mit Fluoratomen verbunden sind. Die Struktur der Kohlenstoff-Fluor-Bindungen trägt wesentlich zur chemischen Beständigkeit und zu den besonderen Oberflächeneigenschaften des Materials bei. PTFE besitzt einen niedrigen Reibungskoeffizienten und wird deshalb unter anderem für Dichtungen, Gleitlager, technische Bauteile und bestimmte Antihaftbeschichtungen verwendet. Außerdem kommt es in der chemischen Verfahrenstechnik zum Einsatz, wenn eine hohe Beständigkeit gegenüber zahlreichen Chemikalien benötigt wird.
Warum darf PTFE nicht beliebig stark erhitzt werden?
Obwohl PTFE bei üblichen Einsatztemperaturen vergleichsweise beständig ist, kann es sich bei starker Überhitzung zersetzen. Dabei können gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte entstehen. Die zulässigen Einsatztemperaturen hängen vom jeweiligen Produkt und seinen Herstellervorgaben ab. Besonders bei beschichteten Kochgeräten ist deshalb darauf zu achten, dass diese nicht leer und unkontrolliert überhitzt werden.
Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und die Ozonschicht
Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, sind organische Verbindungen, die Kohlenstoff, Fluor und Chlor enthalten. Sie wurden früher in großem Umfang als Kältemittel, Treibgase und für weitere technische Anwendungen eingesetzt. Viele dieser Stoffe sind in der unteren Atmosphäre chemisch vergleichsweise beständig. Gelangen sie in die Stratosphäre, können sie durch energiereiche ultraviolette Strahlung gespalten werden. Dabei können Chloratome freigesetzt werden, die katalytisch zum Abbau von Ozon beitragen. Die dadurch verursachte Schädigung der Ozonschicht führte zu internationalen Maßnahmen zur Begrenzung ozonabbauender Stoffe. Besonders wichtig ist das Montrealer Protokoll von 1987. Es gilt als bedeutendes Beispiel für erfolgreiche internationale Umweltpolitik.
Sind alle fluorhaltigen Verbindungen ozonschädlich?
Nein. Die Wirkung hängt von der chemischen Struktur und den Eigenschaften der jeweiligen Verbindung ab. Für den stratosphärischen Ozonabbau durch klassische FCKW sind vor allem die freigesetzten Chloratome entscheidend. Bestimmte fluorhaltige Ersatzstoffe besitzen kein vergleichbares Ozonabbaupotenzial, können jedoch als starke Treibhausgase wirken oder andere Umweltprobleme verursachen. Fluorhaltige Stoffe müssen deshalb jeweils einzeln hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Umweltwirkungen bewertet werden.
Fluor in der Aluminiumindustrie
Bei der industriellen Aluminiumgewinnung wird Aluminiumoxid in einer geeigneten fluoridhaltigen Schmelze gelöst und anschließend elektrolytisch reduziert. Die verwendete Schmelze enthält unter anderem kryolithartige Komponenten. Dieses Verfahren wird als Hall-Héroult-Verfahren bezeichnet. Die Fluoridbestandteile ermöglichen technisch geeignete Schmelzbedingungen und beeinflussen die Eigenschaften des Elektrolyten. Die Aluminiumgewinnung ist damit ein bedeutendes Beispiel für die industrielle Nutzung fluorhaltiger Verbindungen.
Fluor in Medizin und Forschung
Fluorverbindungen besitzen auch in der Medizin und Forschung große Bedeutung. Zahlreiche pharmazeutische Wirkstoffe enthalten gezielt eingebaute Fluoratome, weil diese die chemischen und biologischen Eigenschaften eines Moleküls beeinflussen können. Ein weiteres wichtiges Beispiel ist das radioaktive Isotop Fluor-18, das in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verwendet wird. Ein häufig eingesetzter Radiotracer ist ¹⁸F-Fluordesoxyglucose (¹⁸F-FDG). Mit solchen markierten Verbindungen können Stoffwechselprozesse im Körper bildgebend untersucht werden.
Fluor-18 – ein wichtiges Isotop der Nuklearmedizin
Fluor-18 ist radioaktiv und besitzt eine Halbwertszeit von ungefähr 110 Minuten. Es zerfällt unter Aussendung eines Positrons zu Sauerstoff-18. Die bei der anschließenden Positron-Elektron-Annihilation entstehenden Photonen werden bei der PET-Bildgebung nachgewiesen. Dadurch lassen sich bestimmte physiologische und krankhafte Prozesse sichtbar machen. Die kurze Halbwertszeit erfordert eine sorgfältig organisierte Herstellung und Anwendung der Radiopharmaka.
Welche Isotope besitzt Fluor?
Natürlich vorkommendes Fluor besteht praktisch vollständig aus dem stabilen Isotop Fluor-19 (¹⁹F). Es besitzt neun Protonen und zehn Neutronen. Daneben sind zahlreiche radioaktive Fluorisotope bekannt, die künstlich erzeugt werden können. Besonders wichtig ist Fluor-18 aufgrund seiner Anwendung in der medizinischen Bildgebung.
Isotop | Protonen | Neutronen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
Fluor-19 | 9 | 10 | einziges stabiles Fluorisotop |
Fluor-18 | 9 | 9 | radioaktiv, wichtig für die PET |
Fluor-20 | 9 | 11 | radioaktives Isotop für wissenschaftliche Untersuchungen |
Fluor-19 besitzt außerdem eine große Bedeutung für die Kernspinresonanzspektroskopie (¹⁹F-NMR), mit der fluorhaltige Moleküle untersucht werden können.
Welche biologische Bedeutung hat Fluor?
Fluorid kann die Eigenschaften von Zahnhartsubstanz beeinflussen und wird deshalb gezielt zur Kariesvorbeugung eingesetzt. Eine allgemeine Einstufung von Fluor als essenzielles Element für den menschlichen Stoffwechsel ist jedoch wissenschaftlich nicht in derselben Weise etabliert wie beispielsweise bei Eisen oder Iod. Entscheidend ist außerdem die aufgenommene Menge: Während geeignete Fluoridkonzentrationen in Zahnpflegeprodukten nützlich sein können, kann eine langfristig überhöhte Fluoridaufnahme gesundheitsschädlich sein. Die biologische Wirkung hängt somit von der chemischen Form, der Konzentration und der Expositionsdauer ab.
Ist Fluor gefährlich?
Elementares Fluor gehört zu den besonders gefährlichen chemischen Gasen. Es ist hochreaktiv, giftig und stark ätzend. Auch Fluorwasserstoff und Flusssäure besitzen erhebliche Gesundheitsgefahren. Andere Fluorverbindungen können dagegen bei geeigneter Verwendung technisch oder medizinisch nützlich sein. Eine sachgerechte Risikobewertung muss deshalb stets die konkrete chemische Verbindung berücksichtigen. Der Begriff „fluorhaltig“ allein erlaubt keine zuverlässige Aussage über Giftigkeit oder Sicherheit.
Fünf faszinierende Fakten über Fluor
1. Fluor besitzt die höchste Elektronegativität aller Elemente. Auf der Pauling-Skala erreicht es den Wert 3,98.
2. Die Isolierung gelang erst 1886. Henri Moissan stellte elementares Fluor nach zahlreichen schwierigen Versuchen erstmals erfolgreich her.
3. Fluor kommt in der Natur fast ausschließlich gebunden vor. Seine hohe Reaktivität verhindert unter gewöhnlichen Bedingungen größere Vorkommen freien Fluors.
4. Fluorverbindungen begegnen uns im Alltag. Beispiele sind fluoridhaltige Zahnpasten, bestimmte Kunststoffe und zahlreiche technische Materialien.
5. Fluor-18 ermöglicht medizinische Untersuchungen. Das radioaktive Isotop ist ein wichtiger Bestandteil bestimmter Radiotracer für die Positronen-Emissions-Tomographie.
Fluor im Online-Periodensystem von blume
Fluor besitzt die Ordnungszahl 9 und steht in der zweiten Periode sowie in der 17. Gruppe des Periodensystems. Als erstes Element der Halogene zeigt es besonders deutlich den Zusammenhang zwischen Elektronenstruktur, Elektronegativität und chemischer Reaktivität. Interessant ist insbesondere der Vergleich mit Sauerstoff und Chlor. Im Online-Periodensystem von blume lassen sich Fluor und die weiteren chemischen Elemente anhand ihrer Stellung, ihres Atomaufbaus und ihrer Eigenschaften vergleichen.
Wissenschaftliche Quellen und Literatur
Buchquellen
Gray, Theodore (2013): Die Elemente. Bausteine unserer Welt. Köln: Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-000-5.
Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen (2006): Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt. 1. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-31789-9.
Ergänzende wissenschaftliche Referenzquellen
Commission on Isotopic Abundances and Atomic Weights (CIAAW): Standard Atomic Weights.
National Institute of Standards and Technology (NIST): Atomic Spectra Database.
Royal Society of Chemistry: Fluorine – Element information.
PubChem, National Center for Biotechnology Information: Fluorine – Elementdaten.
Nobel Prize: Henri Moissan – Nobelpreis für Chemie 1906.
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Community Water Fluoridation.
United States Environmental Protection Agency (EPA): Ozone Layer Protection.