Antimon (Sb) – Eigenschaften, Vorkommen und Verwendung
Antimon ist ein chemisches Element, das auf den ersten Blick wenig spektakulär erscheint. Das silbrig glänzende, spröde Halbmetall ist weder so bekannt wie Eisen noch so kostbar wie Gold. Dennoch hat es die Geschichte der Metallverarbeitung, des Buchdrucks und sogar der Kosmetik mitgeprägt. Heute begegnet uns Antimon unter anderem in technischen Legierungen, Batterien, Halbleitern und bestimmten Flammschutzsystemen. Besonders faszinierend ist sein widersprüchlicher Charakter: Antimon besitzt metallischen Glanz, lässt sich aber nicht wie viele typische Metalle schmieden. Es kann andere Metalle härter machen und bildet zugleich chemische Verbindungen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften.
Im Online-Periodensystem von blume steht Antimon mit dem Elementsymbol Sb und der Ordnungszahl 51 in der fünften Periode und der 15. Gruppe. Es gehört zu den sogenannten Pnictogenen, einer Elementgruppe, zu der auch Stickstoff, Phosphor, Arsen und Bismut zählen. Seine Stellung im Periodensystem erklärt, warum Antimon sowohl metallische als auch nichtmetallische Eigenschaften zeigt.
Antimon im Steckbrief – die wichtigsten Elementdaten
Eigenschaft | Wert |
|---|---|
Elementname | Antimon |
Elementsymbol | Sb |
Ordnungszahl | 51 |
Relative Atommasse | 121,760 |
Elementgruppe | 15 – Stickstoffgruppe |
Periode | 5 |
Elementklasse | Halbmetall |
Aggregatzustand bei 20 °C | Fest |
Aussehen | Silberweiß bis silbergrau, metallisch glänzend |
Dichte bei Raumtemperatur | ca. 6,68 g/cm³ |
Schmelzpunkt | ca. 630,6 °C |
Siedepunkt | ca. 1.587 °C |
Elektronenkonfiguration | [Kr] 4d¹⁰ 5s² 5p³ |
Elektronenverteilung auf die Schalen | 2, 8, 18, 18, 5 |
Häufige Oxidationsstufen | −III, +III und +V |
Kristallstruktur | Rhomboedrisch |
Stabile natürliche Isotope | ¹²¹Sb und ¹²³Sb |
Die angegebenen Werte beziehen sich auf elementares Antimon unter üblichen Bedingungen. Bei chemischen Verbindungen und Legierungen können die Eigenschaften erheblich abweichen.
Was ist Antimon? Ein Element zwischen Metall und Nichtmetall
Antimon gehört zu den Halbmetallen. Diese Bezeichnung beschreibt Elemente, deren Eigenschaften zwischen denen typischer Metalle und Nichtmetalle liegen. Antimon besitzt beispielsweise einen metallischen Glanz und leitet elektrischen Strom, allerdings deutlich schlechter als gute metallische Leiter wie Kupfer oder Silber. Gleichzeitig ist es ungewöhnlich spröde: Ein Stück kristallines Antimon kann unter mechanischer Belastung brechen, anstatt sich dauerhaft zu verformen.
Das liegt an seiner besonderen Kristallstruktur und den Bindungsverhältnissen im Festkörper. Während sich die Atome vieler Metalle bei einer Verformung gegeneinander verschieben können, ohne dass das Material sofort zerbricht, ist diese Beweglichkeit bei Antimon stark eingeschränkt. Seine rhomboedrische Kristallstruktur ist eng mit derjenigen von Arsen und Bismut verwandt.
Besonders eindrucksvoll sind künstlich gezüchtete Antimonkristalle. Sie können glänzende, treppenartige Oberflächen und geometrische Muster bilden. Solche Kristallformen zeigen, dass die regelmäßige Anordnung von Atomen im Inneren eines Festkörpers sein äußeres Erscheinungsbild beeinflussen kann. Die auffälligen Oberflächenstrukturen sind dabei nicht mit der Form einzelner Atome zu verwechseln, sondern entstehen während des Kristallwachstums.
Woher stammt der Name Antimon – und warum lautet das Symbol Sb?
Der deutsche Elementname Antimon geht über historische Sprachformen auf das lateinische antimonium zurück. Seine genaue sprachgeschichtliche Herkunft ist nicht abschließend geklärt. Verschiedene Erklärungen wurden vorgeschlagen, doch populäre Geschichten über den Ursprung des Namens sind nicht immer historisch belegbar.
Das chemische Symbol Sb stammt dagegen eindeutig vom lateinischen Wort stibium. Damit bezeichnete man bereits in der Antike bestimmte antimonhaltige Stoffe, insbesondere das Mineral Antimonit. Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit der frühen Verwendung von Antimonverbindungen als dunkle Schminke.
Die Bezeichnung Stibium erklärt auch, warum das Elementsymbol nicht aus den Anfangsbuchstaben des deutschen Namens gebildet wird. Vergleichbare historische Besonderheiten finden sich bei Natrium (Na, von natrium) und Eisen (Fe, von ferrum).
Antimon in der Geschichte – von der Augenschminke zum Buchdruck
Antimonhaltige Mineralien waren lange bekannt, bevor man Antimon als eigenständiges chemisches Element verstand. Besonders Antimonit, chemisch Antimon(III)-sulfid (Sb₂S₃), wurde schon in frühen Kulturen genutzt. Fein zerkleinerte dunkle Mineralpulver dienten unter anderem als Bestandteil traditioneller Augenschminke.
Solche Anwendungen sind kulturhistorisch interessant, dürfen jedoch nicht als Nachweis für die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Stoffe verstanden werden. Historische Kosmetika konnten unterschiedliche mineralische Bestandteile enthalten, darunter auch gesundheitsschädliche Schwermetallverbindungen.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit beschäftigten sich Alchemisten intensiv mit Antimon und seinen Verbindungen. Sie untersuchten das Verhalten des Materials beim Erhitzen, Schmelzen und Reagieren mit anderen Stoffen. Antimon spielte deshalb eine wichtige Rolle in der Entwicklung metallurgischer und chemischer Verfahren.
Eine besondere Bedeutung gewann das Element später im Buchdruck. Für den traditionellen Bleisatz wurden Legierungen verwendet, die unter anderem Blei, Zinn und Antimon enthielten. Antimon verbesserte die Härte und das Gießverhalten solcher Schriftmetalle. Dadurch ließen sich kleine Buchstaben und feine Konturen präziser herstellen, als es mit reinem Blei möglich gewesen wäre.
Auch für Glocken, Klangkörper und dekorative Metallgegenstände wurden unterschiedliche antimonhaltige Legierungen eingesetzt. Entscheidend ist dabei die genaue Zusammensetzung: Nicht jede historische Glockenlegierung enthielt Antimon, und die klassische Glockenbronze besteht überwiegend aus Kupfer und Zinn.
Physikalische Eigenschaften – warum Antimon hart, aber spröde ist
Reines Antimon ist ein silbrig glänzender Feststoff mit einer Dichte von ungefähr 6,68 Gramm pro Kubikzentimeter. Damit ist es deutlich dichter als Aluminium, aber weniger dicht als Blei. Sein Schmelzpunkt von rund 631 °C liegt erheblich unter dem von Eisen oder Kupfer.
Obwohl Antimon vergleichsweise hart sein kann, ist es wenig verformbar. Härte und Zähigkeit sind nämlich zwei unterschiedliche Materialeigenschaften: Die Härte beschreibt vereinfacht den Widerstand gegen das Eindringen oder Ritzen, während die Zähigkeit angibt, wie gut ein Werkstoff Energie aufnehmen kann, ohne zu brechen.
Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal ist sein Verhalten beim Erstarren. Antimon gehört zu den wenigen Elementen, deren Volumen beim Übergang von der Schmelze zum Festkörper zunimmt. Diese Eigenschaft kann für bestimmte Gusslegierungen von Vorteil sein, weil sich feine Strukturen beim Erstarren gut ausfüllen lassen. Wie stark sich dieser Effekt bei einer technischen Legierung zeigt, hängt allerdings von deren gesamter Zusammensetzung ab.
Die elektrische Leitfähigkeit von Antimon liegt zwischen der guter Metalle und der vieler nichtmetallischer Feststoffe. Deshalb ist Antimon nicht nur für die Metallurgie, sondern auch für die Festkörperphysik und die Halbleitertechnik interessant.
Chemische Eigenschaften und Oxidationsstufen
Antimon steht in der 15. Gruppe des Periodensystems und besitzt fünf Elektronen in seiner äußersten Elektronenschale. Seine Elektronenkonfiguration lautet:
[Kr] 4d¹⁰ 5s² 5p³
Daraus ergeben sich mehrere mögliche Oxidationsstufen. Besonders wichtig sind +III und +V. In bestimmten Verbindungen kann Antimon auch die Oxidationsstufe −III annehmen, beispielsweise in Antimoniden mit stark elektropositiven Elementen.
An trockener Luft ist kompaktes Antimon bei Raumtemperatur vergleichsweise beständig. Bei höheren Temperaturen reagiert es mit Sauerstoff und bildet Oxide. Unter geeigneten Bedingungen entsteht beispielsweise Antimon(III)-oxid:
4 Sb + 3 O₂ → 2 Sb₂O₃
Antimon(III)-oxid ist eine technisch wichtige Verbindung, unter anderem wegen seiner Verwendung in bestimmten Flammschutzsystemen. Es ist jedoch wichtig, zwischen der chemischen Verbindung und dem elementaren Antimon zu unterscheiden: Beide besitzen unterschiedliche Stoffeigenschaften und unterschiedliche Gefährdungsprofile.
Antimon kann außerdem mit Halogenen reagieren und verschiedene Halogenide bilden. Die Chemie des Elements zeigt damit, wie vielseitig die Verbindungen eines Halbmetalls sein können.
Vorkommen – wo findet man Antimon in der Natur?
Antimon kommt in der Erdkruste vergleichsweise selten vor. Gelegentlich findet man es in gediegener, also elementarer Form. Wirtschaftlich bedeutender sind jedoch seine Mineralverbindungen.
Das wichtigste Antimonerz ist Antimonit, auch Stibnit genannt, mit der chemischen Formel Sb₂S₃. Das Mineral besitzt häufig einen metallischen Glanz und bildet lange, nadelige oder säulenförmige Kristalle. Seine dunkelgraue Farbe und seine charakteristischen Kristallformen machen es auch für Mineraliensammler interessant.
Weitere antimonhaltige Minerale sind beispielsweise Valentinit und Senarmontit, beides natürliche Formen von Antimon(III)-oxid, sowie komplexe Sulfidminerale.
Antimonlagerstätten entstehen durch unterschiedliche geologische Prozesse, häufig im Zusammenhang mit heißen mineralhaltigen Lösungen, die durch Gesteinsklüfte zirkulieren. Beim Abkühlen oder durch chemische Veränderungen können sich antimonhaltige Minerale abscheiden.
Die weltweite Versorgung mit Antimon ist wirtschaftlich bedeutsam, weil sich Förderung und Verarbeitung auf eine begrenzte Zahl von Ländern und Unternehmen konzentrieren. Antimon wird deshalb in verschiedenen Rohstoffstrategien als kritischer oder strategisch wichtiger Rohstoff betrachtet.
Gewinnung – wie wird aus Antimonit metallisches Antimon?
Die industrielle Antimongewinnung beginnt häufig mit antimonhaltigen Erzen, insbesondere Antimonit. Je nach Zusammensetzung und Qualität des Erzes werden unterschiedliche Aufbereitungs- und metallurgische Verfahren eingesetzt.
Eine Möglichkeit besteht darin, Antimon(III)-sulfid zunächst zu rösten. Dabei reagiert das Sulfid mit Sauerstoff, und es können Antimonoxide sowie Schwefeldioxid entstehen:
2 Sb₂S₃ + 9 O₂ → 2 Sb₂O₃ + 6 SO₂
Das gebildete Antimon(III)-oxid lässt sich anschließend unter geeigneten Bedingungen mit einem Reduktionsmittel, beispielsweise Kohlenstoff, zu metallischem Antimon reduzieren:
Sb₂O₃ + 3 C → 2 Sb + 3 CO
Die Gleichungen beschreiben vereinfachte chemische Reaktionsschritte. Industrielle Prozesse sind komplexer und müssen unter anderem den Umgang mit schwefelhaltigen Abgasen, Stäuben und Verunreinigungen berücksichtigen.
Bei geeigneten Erzen sind auch direkte metallurgische Verfahren möglich, beispielsweise Reaktionen mit Eisen, bei denen Antimon aus seinem Sulfid freigesetzt wird. Anschließend wird das gewonnene Rohmetall je nach Verwendungszweck weiter gereinigt.
Verwendung von Antimon – kleine Mengen mit großer Wirkung
Antimon in Legierungen
Eine der wichtigsten traditionellen Anwendungen ist die Herstellung von Legierungen. Antimon kann die mechanischen Eigenschaften bestimmter Metalle deutlich verändern. Besonders bekannt sind antimonhaltige Bleilegierungen, die härter und verschleißbeständiger sein können als reines Blei.
Solche Werkstoffe wurden unter anderem für Letternmetall, Lagerwerkstoffe und bestimmte technische Gussteile verwendet. Bei ihrer Verarbeitung sind die Gesundheits- und Umweltgefahren von Blei zu beachten. Viele historische Anwendungen wurden inzwischen durch andere Werkstoffe oder Fertigungsverfahren ersetzt.
Antimon in Bleiakkumulatoren
Antimon wurde und wird in bestimmten Blei-Säure-Batterien als Legierungsbestandteil eingesetzt. In Bleigittern kann es die mechanische Festigkeit und das Gießverhalten verbessern.
Allerdings können antimonhaltige Bleilegierungen auch die Wasserstoffentwicklung und damit den Wasserverlust der Batterie begünstigen. Deshalb verwenden viele moderne, wartungsarme Bleiakkumulatoren antimonarme oder antimonfreie Gitterlegierungen, beispielsweise mit Calcium. Antimon ist somit technisch relevant, aber keineswegs ein notwendiger Bestandteil jeder Autobatterie.
Antimon in Flammschutzmitteln
Eine besonders wichtige moderne Anwendung betrifft Antimon(III)-oxid (Sb₂O₃). Es wird in bestimmten Kunststoff- und Textilsystemen als sogenannter Flammschutz-Synergist eingesetzt.
Das bedeutet: Antimon(III)-oxid wirkt in solchen Systemen häufig nicht allein als besonders wirksames Flammschutzmittel, sondern verstärkt die Wirkung bestimmter halogenhaltiger Flammschutzstoffe. Bei hohen Temperaturen können chemische Reaktionen ablaufen, die Verbrennungsprozesse beeinflussen.
Die Wirksamkeit hängt von der jeweiligen Materialzusammensetzung ab. Gleichzeitig müssen mögliche Gesundheits- und Umweltwirkungen der eingesetzten Stoffe berücksichtigt werden. Deshalb wird an alternativen Flammschutzkonzepten gearbeitet, die ohne Antimonverbindungen oder bestimmte halogenhaltige Zusätze auskommen.
Antimon in Halbleitern und der Elektronik
In der Halbleitertechnik ist Antimon aus einem anderen Grund interessant: Es kann Bestandteil von Verbindungshalbleitern sein.
Ein bekanntes Beispiel ist Indiumantimonid (InSb). Dieser Halbleiter besitzt eine sehr kleine Bandlücke und wird unter anderem für spezielle Infrarotdetektoren und andere elektronische Anwendungen untersucht beziehungsweise eingesetzt.
Auch Galliumantimonid (GaSb) ist ein technisch wichtiger Verbindungshalbleiter. Solche Materialien zeigen, dass die Bedeutung eines Elements nicht allein von den Eigenschaften des reinen Stoffes abhängt. Erst die Kombination verschiedener Elemente kann gezielt nutzbare elektronische Eigenschaften hervorbringen.
Antimon und die Entwicklung des Buchdrucks
Eine besonders anschauliche historische Anwendung von Antimon ist das Letternmetall. Im traditionellen Hochdruck mussten einzelne Buchstaben wiederholt mit hoher Kraft auf Papier gepresst werden. Reines Blei wäre dafür zu weich gewesen und hätte sich vergleichsweise schnell verformt.
Durch die Zugabe von Antimon und Zinn konnten die Eigenschaften der Legierung angepasst werden. Antimon erhöhte die Härte, während die gesamte Legierungszusammensetzung das Schmelz- und Gießverhalten bestimmte.
Die Entwicklung geeigneter Schriftmetalle war deshalb ein wichtiger materialtechnischer Schritt für die Verbreitung gedruckter Bücher. Antimon ist damit ein schönes Beispiel dafür, wie chemische und metallurgische Kenntnisse gesellschaftliche Veränderungen ermöglichen können.
Heute spielt der klassische Bleisatz nur noch eine kleine Rolle. Seine Geschichte bleibt jedoch ein lehrreiches Beispiel für die Bedeutung von Legierungen.
Antimon in der Antike – warum es als Augenschminke verwendet wurde
Auf den Buchseiten wird die historische Verwendung antimonhaltiger Stoffe als Schminke hervorgehoben. Tatsächlich nutzten verschiedene Kulturen dunkle Mineralpulver zur Betonung der Augenpartie.
Dabei muss zwischen dem chemischen Element Antimon und dem Mineral Antimonit unterschieden werden. Historische Schminkpulver bestanden nicht notwendigerweise aus reinem Antimon. Je nach Herkunft und Herstellung konnten sie unterschiedliche Sulfide, Oxide und weitere mineralische Bestandteile enthalten.
Die Verwendung solcher Stoffe ist heute vor allem kulturgeschichtlich interessant. Aus der langen Tradition lässt sich keine gesundheitliche Unbedenklichkeit ableiten. Insbesondere verunreinigte oder schwermetallhaltige Kosmetikprodukte können gesundheitliche Risiken verursachen.
Ist Antimon giftig? Gesundheit und Umwelt
Die gesundheitlichen Wirkungen von Antimon hängen stark von seiner chemischen Form, der aufgenommenen Menge und dem Aufnahmeweg ab. Elementares Antimon in kompakter Form ist anders zu beurteilen als feiner Antimonstaub oder lösliche Antimonverbindungen.
Bestimmte Antimonverbindungen können bei entsprechender Exposition gesundheitsschädlich sein. Besonders beim Umgang mit antimonhaltigen Stäuben und bei industriellen Hochtemperaturprozessen sind geeignete Schutzmaßnahmen erforderlich.
Für Antimon(III)-oxid bestehen zudem besondere toxikologische und regulatorische Bewertungen, die bei seiner industriellen Verwendung zu berücksichtigen sind. Eine pauschale Aussage, sämtliche Antimonverbindungen seien gleich giftig, wäre wissenschaftlich falsch.
Auch Umweltaspekte sind relevant. Beim Abbau und bei der Verarbeitung antimonhaltiger Erze können Antimonverbindungen in Böden und Gewässer gelangen. Ihre Mobilität hängt unter anderem vom pH-Wert, den Oxidationsbedingungen und der chemischen Bindungsform ab.
Für den Chemieunterricht gilt deshalb: Antimon und seine Verbindungen sind interessante Forschungs- und Anschauungsobjekte, sollten aber nur im Rahmen geeigneter Sicherheitskonzepte behandelt werden.
Die Isotope von Antimon
Natürliches Antimon besteht aus zwei stabilen Isotopen:
Antimon-121 (¹²¹Sb) mit einem natürlichen Anteil von ungefähr 57,2 Prozent.
Antimon-123 (¹²³Sb) mit einem natürlichen Anteil von ungefähr 42,8 Prozent.
Beide Isotope besitzen jeweils 51 Protonen im Atomkern, unterscheiden sich jedoch in der Anzahl ihrer Neutronen. Antimon-121 enthält 70 Neutronen, Antimon-123 dagegen 72.
Neben diesen stabilen Isotopen sind zahlreiche radioaktive Antimonisotope bekannt. Sie werden in der Kernphysik und für spezielle wissenschaftliche Untersuchungen verwendet.
Die Existenz unterschiedlicher Isotope zeigt einen grundlegenden Zusammenhang des Periodensystems: Die Identität eines Elements wird durch seine Protonenzahl bestimmt, nicht durch die Anzahl seiner Neutronen.
Antimon im Periodensystem – die Verwandtschaft mit Arsen und Bismut
Antimon steht zwischen Arsen und Bismut in der 15. Gruppe des Periodensystems. Innerhalb dieser Gruppe verändern sich die Eigenschaften der Elemente deutlich.
Stickstoff und Phosphor sind typische Nichtmetalle. Arsen und Antimon besitzen ausgeprägte halbmetallische Eigenschaften. Bismut zeigt dagegen überwiegend metallischen Charakter.
Diese Entwicklung lässt sich durch den Aufbau der Elektronenhüllen und die Veränderung der Bindungsverhältnisse erklären. Beim Übergang zu schwereren Elementen nehmen Atomgröße und Abschirmungseffekte zu. Gleichzeitig ändern sich die Energien der Elektronen und die bevorzugten chemischen Bindungsformen.
Besonders interessant ist, dass Antimon trotz seiner Stellung in einer gemeinsamen Elementgruppe ganz andere technische Anwendungen besitzt als beispielsweise Stickstoff. Das Periodensystem beschreibt somit nicht nur Ähnlichkeiten, sondern hilft auch dabei, systematische Unterschiede zu verstehen.
Wer die Stellung von Antimon genauer betrachten möchte, findet im Online-Periodensystem von blume die benachbarten Elemente und ihre Einordnung im Gesamtaufbau der Elemente.
Fünf interessante Fakten über Antimon
1. Das Elementsymbol Sb stammt nicht vom deutschen Namen. Es geht auf das lateinische stibium zurück und erinnert an die historische Verwendung antimonhaltiger Mineralien.
2. Antimon kann beim Erstarren sein Volumen vergrößern. Diese ungewöhnliche Eigenschaft ist für bestimmte Gussanwendungen interessant.
3. Reines Antimon ist spröde, kann andere Metalle aber härter machen. Gerade dieser scheinbare Widerspruch macht das Element für die Legierungstechnik wertvoll.
4. Antimon spielte eine Rolle bei der Verbreitung gedruckter Bücher. In traditionellen Schriftmetallen trug es zur Haltbarkeit präzise gegossener Drucklettern bei.
5. Antimon verbindet Metallurgie und moderne Elektronik. Während es früher vor allem in Legierungen eingesetzt wurde, ist es heute auch Bestandteil spezieller Halbleitermaterialien.
Fazit – warum Antimon ein bemerkenswertes Element ist
Antimon ist weit mehr als ein seltenes, silbrig glänzendes Halbmetall. Seine besondere Kristallstruktur, die Sprödigkeit, sein Verhalten in Legierungen und seine vielfältige Verbindungschemie machen es zu einem interessanten Element für Wissenschaft und Technik.
Von antiker Augenschminke über den Buchdruck bis zu Batterien, Flammschutzsystemen und Infrarot-Halbleitern reicht seine Anwendungsgeschichte. Gleichzeitig zeigt Antimon, warum die chemische Form eines Stoffes für seine Eigenschaften und seine gesundheitliche Bewertung entscheidend ist.
Im Periodensystem nimmt Antimon eine besonders lehrreiche Position zwischen nichtmetallischen und metallischen Elementen ein. Wer seine Eigenschaften versteht, erkennt zugleich wichtige Zusammenhänge zwischen Elektronenstruktur, chemischer Bindung und technischen Werkstoffen.
Weitere Informationen zum Aufbau und zur Systematik der chemischen Elemente bietet das Online-Periodensystem von blume.
Quellen und weiterführende Literatur
Buchquellen
Gray, Theodore (2013): Die Elemente. Bausteine unserer Welt. Köln: Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-000-5. Abschnitt zu Antimon, S. 123.
Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen (2006): Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt. 1. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-31789-9. Abschnitt zu Antimon, S. 56.
Wissenschaftliche Referenzquellen
International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC): Periodic Table of the Elements und Angaben zu den Standardatomgewichten. https://iupac.org/
Royal Society of Chemistry: Periodic Table – Antimony. https://www.rsc.org/periodic-table/element/51/antimony
National Institute of Standards and Technology (NIST): Atomic Spectra Database. https://physics.nist.gov/asd
U.S. Geological Survey (USGS): Mineral Commodity Summaries – Antimony. https://www.usgs.gov/centers/national-minerals-information-center
PubChem, National Library of Medicine: Stoffinformationen zu Antimon und Antimonverbindungen. https://pubchem.ncbi.nlm.nih.gov/