Technetium (Tc) – Eigenschaften, Entdeckung, Vorkommen und Verwendung
Technetium ist das Element, das im Periodensystem lange fehlte. Während die meisten chemischen Elemente zunächst in Mineralien, Erzen oder Gasen entdeckt wurden, gelang der Nachweis von Technetium erst mithilfe moderner Kernphysik. Das silbergraue Metall mit der Ordnungszahl 43 ist radioaktiv, besitzt kein einziges stabiles Isotop und hat dennoch eine außergewöhnliche Bedeutung für die Medizin. Besonders das kurzlebige Technetium-99m ermöglicht Untersuchungen, bei denen Ärztinnen und Ärzte Vorgänge im menschlichen Körper sichtbar machen können.
Technetium verbindet damit drei faszinierende Themen: die Geschichte des Periodensystems, die Physik radioaktiver Atomkerne und die moderne medizinische Diagnostik. Seine Entdeckung zeigt außerdem, dass die chemischen Eigenschaften eines Elements und die Stabilität seines Atomkerns zwei unterschiedliche Fragen sind.
Technetium im Überblick – Steckbrief
Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
Elementname | Technetium |
Elementsymbol | Tc |
Ordnungszahl | 43 |
Stellung im Periodensystem | 5. Periode, Gruppe 7 |
Elementfamilie | Übergangsmetalle |
Aggregatzustand bei 20 °C | Fest |
Aussehen | Silbergraues, metallisch glänzendes Metall |
Atommasse | [98] u als konventionelle Angabe für ein ausgewähltes Isotop; kein Standardatomgewicht |
Elektronenkonfiguration | [Kr] 4d⁵ 5s² |
Elektronenverteilung auf die Schalen | 2, 8, 18, 13, 2 |
Dichte | Etwa 11 g/cm³ |
Schmelzpunkt | Etwa 2.157 °C |
Siedepunkt | Etwa 4.265 °C |
Häufige Oxidationszahlen | +4 und +7 |
Entdeckung | 1937 durch Carlo Perrier und Emilio Segrè |
Namensherkunft | Griechisch technētos – künstlich hergestellt |
Besonderheit | Kein stabiles Isotop; wichtig für die nuklearmedizinische Diagnostik |
Die eckigen Klammern bei der Atommasse sind wichtig: Anders als bei Elementen mit stabilen natürlichen Isotopen lässt sich für Technetium kein Standardatomgewicht aus einer charakteristischen natürlichen Isotopenzusammensetzung angeben. In Periodensystemen wird deshalb häufig die Massenzahl 98 in Klammern verwendet.
Die Position von Technetium und seine Nachbarelemente lassen sich in unserem Online-Periodensystem nachvollziehen.
1. Die Entdeckung von Technetium – das lange gesuchte Element 43
Als Dmitri Mendelejew im 19. Jahrhundert das Periodensystem entwickelte, erkannte er, dass zwischen bekannten Elementen noch Lücken bestehen mussten. Eine dieser Lücken befand sich zwischen Molybdän mit der Ordnungszahl 42 und Ruthenium mit der Ordnungszahl 44. Das fehlende Element wurde zeitweise als „Eka-Mangan“ bezeichnet, weil man aufgrund seiner Stellung im Periodensystem bestimmte chemische Ähnlichkeiten mit Mangan erwartete.
Die Suche nach Element 43 erwies sich als schwierig. Im Laufe der Jahrzehnte wurden mehrere Entdeckungen gemeldet, die sich jedoch nicht bestätigen ließen. Der entscheidende Fortschritt kam erst mit der Entwicklung von Teilchenbeschleunigern und empfindlichen Methoden zum Nachweis radioaktiver Stoffe.
Im Jahr 1937 untersuchten der italienische Physiker Emilio Segrè (1905–1989) und der Chemiker Carlo Perrier (1886–1948) Proben von Molybdän, die zuvor im Zyklotron der University of California in Berkeley bestrahlt worden waren. Die Bestrahlung hatte im Material radioaktive Atomkerne erzeugt. Durch chemische Trennverfahren und die Untersuchung ihrer Strahlung konnten Perrier und Segrè nachweisen, dass sich darunter ein bislang unbekanntes Element mit der Ordnungszahl 43 befand.
Damit gelang erstmals die allgemein anerkannte Identifizierung eines chemischen Elements, das künstlich hergestellt worden war. 1947 erhielt es den Namen Technetium, abgeleitet vom griechischen Wort technētos für „künstlich hergestellt“.
Die Entdeckung hatte weitreichende Bedeutung: Sie zeigte, dass sich die Lücken des Periodensystems nicht ausschließlich durch die Untersuchung natürlicher Mineralien schließen lassen. Kernreaktionen eröffneten einen neuen Weg zur Erzeugung und Erforschung chemischer Elemente.
2. Warum Technetium keine stabilen Isotope besitzt
Ein chemisches Element wird durch die Anzahl der Protonen in seinem Atomkern definiert. Jeder Technetiumkern enthält genau 43 Protonen. Die Anzahl seiner Neutronen kann dagegen variieren. Atomkerne desselben Elements mit unterschiedlicher Neutronenzahl heißen Isotope.
Bei vielen Elementen gibt es mindestens ein stabiles Isotop, dessen Atomkern nicht spontan radioaktiv zerfällt. Bei Technetium ist das anders: Alle bekannten Technetiumisotope sind radioaktiv.
Die Ursache liegt in der Kernphysik. Die Stabilität eines Atomkerns hängt vom Zusammenspiel der starken Kernkraft, der elektrischen Abstoßung zwischen den Protonen und der Verteilung von Protonen und Neutronen ab. Für die Protonenzahl 43 existiert keine Kombination mit einer Neutronenzahl, die einen dauerhaft stabilen Atomkern ergibt.
Technetium ist damit eine bemerkenswerte Ausnahme unter den vergleichsweise leichten Elementen. Neben Promethium mit der Ordnungszahl 61 gehört es zu den Elementen unterhalb von Blei, für die kein stabiles Isotop bekannt ist.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen radioaktiv und kurzlebig. Radioaktive Isotope können sehr unterschiedliche Halbwertszeiten besitzen. Manche zerfallen innerhalb von Sekunden, andere erst nach Hunderttausenden oder Millionen Jahren in größerem Umfang.
3. Die wichtigsten Isotope von Technetium
Für Forschung, Kerntechnik und Medizin sind insbesondere drei Technetiumisotope von Bedeutung.
Isotop | Halbwertszeit | Bedeutung |
|---|---|---|
Technetium-99m (⁹⁹ᵐTc) | Etwa 6 Stunden | Wichtigstes Technetiumisotop für die nuklearmedizinische Bildgebung |
Technetium-99 (⁹⁹Tc) | Etwa 211.000 Jahre | Langlebiges Spaltprodukt; relevant für die Entsorgung radioaktiver Abfälle |
Technetium-98 (⁹⁸Tc) | Etwa 4,2 Millionen Jahre | Eines der langlebigsten Technetiumisotope |
Was bedeutet das „m“ bei Technetium-99m?
Das kleine „m“ steht für metastabil. Technetium-99m und Technetium-99 besitzen jeweils 43 Protonen und 56 Neutronen. Sie unterscheiden sich jedoch im Energiezustand ihres Atomkerns.
Technetium-99m befindet sich in einem angeregten Kernzustand. Beim Übergang in einen energieärmeren Zustand gibt der Kern überwiegend Gammastrahlung ab. Dieser Vorgang wird als isomerer Übergang bezeichnet.
Für die medizinische Diagnostik ist diese Eigenschaft besonders wertvoll: Die ausgesandten Gammaquanten können außerhalb des Körpers mit geeigneten Detektoren registriert werden.
Technetium-99m geht dabei überwiegend in Technetium-99 über. Dieses ist ebenfalls radioaktiv, besitzt aber eine wesentlich längere Halbwertszeit und zerfällt durch Betazerfall zu Ruthenium-99.
Die beiden Isotope unterscheiden sich deshalb grundlegend in ihrer praktischen Verwendung: Technetium-99m eignet sich für zeitlich begrenzte diagnostische Untersuchungen, während Technetium-99 insbesondere bei Fragen der Langzeitlagerung radioaktiver Stoffe eine Rolle spielt.
4. Physikalische Eigenschaften – ein ungewöhnliches Übergangsmetall
Elementares Technetium ist ein silbergraues, metallisch glänzendes Übergangsmetall. Mit einer Dichte von ungefähr 11 g/cm³ ist es deutlich dichter als Eisen. Sein hoher Schmelzpunkt von rund 2.157 °C zeigt, dass zwischen den Metallatomen starke Bindungskräfte wirken.
Technetium gehört zur Gruppe 7 des Periodensystems. Oberhalb von ihm steht Mangan, unterhalb Rhenium. Die Elemente dieser Gruppe weisen Gemeinsamkeiten in ihrer Elektronenstruktur und in bestimmten chemischen Reaktionen auf.
Die Elektronenkonfiguration von Technetium lautet:
[Kr] 4d⁵ 5s²
Damit besitzt ein neutrales Technetiumatom insgesamt 43 Elektronen. Die Besetzung der äußeren Elektronenschalen erklärt, warum Technetium unterschiedliche Oxidationsstufen bilden kann und chemisch zu den Übergangsmetallen gehört.
Im Vergleich zu vielen anderen Metallen ist die experimentelle Untersuchung seiner Eigenschaften aufwendig. Technetium muss unter geeigneten Strahlenschutzbedingungen gehandhabt werden. Größere Mengen des reinen Metalls sind deshalb selten und teuer.
Technetium und Supraleitung
Eine weniger bekannte Eigenschaft des Metalls ist seine Supraleitung bei sehr tiefen Temperaturen. Unterhalb einer kritischen Temperatur von ungefähr 7,8 Kelvin kann reines Technetium in den supraleitenden Zustand übergehen. Dann verschwindet sein elektrischer Gleichstromwiderstand.
Für den praktischen Einsatz ist Technetium als Supraleiter allerdings kaum attraktiv: Seine Radioaktivität, geringe Verfügbarkeit und aufwendige Handhabung stehen einem breiten technischen Einsatz entgegen.
5. Chemische Eigenschaften und Oxidationsstufen
Technetium kann Verbindungen in mehreren Oxidationsstufen bilden. Besonders wichtig sind die Oxidationsstufen +4 und +7.
In der Oxidationsstufe +7 tritt Technetium häufig als Pertechnetat-Ion TcO₄⁻ auf. Dieses Ion ist chemisch mit dem Permanganat-Ion MnO₄⁻ und dem Perrhenat-Ion ReO₄⁻ verwandt. Anders als das intensiv violette Permanganat ist Pertechnetat in verdünnter wässriger Lösung jedoch farblos.
Die Ähnlichkeit der Formeln bedeutet nicht, dass sich die Stoffe in jeder Hinsicht gleich verhalten. Unterschiede in der Elektronenstruktur beeinflussen unter anderem die Stabilität, das Oxidationsvermögen und die Reaktionsgeschwindigkeit.
In der Oxidationsstufe +4 bildet Technetium beispielsweise Technetium(IV)-oxid (TcO₂). Dieses ist in Wasser schwer löslich und spielt auch bei der Untersuchung des chemischen Verhaltens von Technetium in der Umwelt eine Rolle.
Für die Nuklearmedizin ist die Koordinationschemie besonders wichtig. Technetium kann mit geeigneten Molekülen Komplexverbindungen bilden. Dadurch lässt sich beeinflussen, in welchen Geweben oder Organen sich eine radioaktive Technetiumverbindung anreichert.
Die medizinische Wirkung beruht dabei nicht darauf, dass Technetium eine natürliche biologische Funktion besitzt. Entscheidend ist vielmehr, dass sich seine radioaktiven Atome chemisch an geeignete Trägermoleküle binden lassen.
6. Vorkommen – künstlich entdeckt, aber nicht ausschließlich künstlich
Die Bezeichnung „künstliches Element“ kann leicht missverstanden werden. Technetium wurde zwar zuerst in künstlich bestrahltem Material eindeutig nachgewiesen, doch daraus folgt nicht, dass es in der Natur grundsätzlich unmöglich wäre.
Tatsächlich entstehen in der Natur winzige Mengen Technetium durch Kernprozesse. Dazu gehören insbesondere die spontane Spaltung von Uran-238 und weitere seltene kernphysikalische Vorgänge.
Da alle Technetiumisotope radioaktiv sind, kann sich jedoch kein großer, dauerhaft stabiler natürlicher Vorrat bilden. Selbst langlebige Isotope zerfallen im Laufe geologischer Zeiträume. Technetium kommt deshalb nur in äußerst geringen Konzentrationen natürlich vor.
Eine weitere Besonderheit wurde durch astronomische Untersuchungen bekannt: In den Spektren bestimmter Riesensterne wurden Linien nachgewiesen, die Technetium zugeordnet werden können. Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass in diesen Sternen schwere Elemente durch Neutroneneinfang gebildet werden.
Weil Technetiumisotope im Vergleich zum Alter der Sterne relativ kurzlebig sind, deutet ihr Nachweis darauf hin, dass die Elementbildung dort in astronomisch jüngerer Zeit stattgefunden hat.
Technetium ist somit nicht nur ein Gegenstand der Kernchemie, sondern auch ein wichtiges Werkzeug der Astrophysik.
7. Herstellung von Technetium
Technetium wird nicht wie Eisen oder Kupfer aus wirtschaftlich nutzbaren Erzlagerstätten gewonnen. Seine Herstellung beruht auf Kernreaktionen.
Eine wichtige Quelle ist die Kernspaltung von Uran. Dabei entstehen zahlreiche radioaktive Spaltprodukte, darunter Isotope, aus denen Technetium-99 hervorgeht.
Für die medizinische Anwendung ist vor allem die Herstellung von Molybdän-99 entscheidend. Dieses Isotop kann unter anderem als Spaltprodukt in geeigneten Forschungsreaktoren gewonnen werden. Daneben existieren andere nukleare Produktionswege.
Molybdän-99 zerfällt mit einer Halbwertszeit von ungefähr 66 Stunden zu Technetium-99m. Dieser Zerfall bildet die Grundlage eines besonders praktischen Verfahrens zur Versorgung nuklearmedizinischer Einrichtungen.
Der Technetium-99m-Generator
Ein Technetium-99m-Generator enthält Molybdän-99, das an ein geeignetes Trägermaterial gebunden ist. Während das Molybdän zerfällt, entsteht fortlaufend Technetium-99m.
Das neu gebildete Technetium kann in Form einer Pertechnetatlösung aus dem Generator gewonnen werden. Diesen Vorgang bezeichnet man als Elution.
Der große Vorteil liegt darin, dass Kliniken das kurzlebige Technetium-99m nicht für jede Untersuchung unmittelbar nach seiner Herstellung aus einem entfernten Produktionsstandort erhalten müssen. Stattdessen wird es vor Ort aus dem längerlebigen Ausgangsnuklid bereitgestellt.
Die Versorgung ist dennoch auf eine zuverlässige Produktion und Logistik für Molybdän-99 angewiesen.
8. Technetium-99m in der Nuklearmedizin
Die wichtigste praktische Anwendung von Technetium ist die nuklearmedizinische Diagnostik.
Bei einer nuklearmedizinischen Untersuchung wird eine geringe, medizinisch festgelegte Menge eines radioaktiven Arzneimittels verabreicht. Ein solches Präparat heißt Radiopharmakon.
Technetium-99m eignet sich besonders gut für zahlreiche diagnostische Verfahren, weil es mehrere günstige Eigenschaften miteinander verbindet: Seine Halbwertszeit beträgt nur etwa sechs Stunden, es sendet für die Bildgebung geeignete Gammastrahlung mit einer Energie von ungefähr 140 keV aus und lässt sich in unterschiedlichen chemischen Verbindungen einsetzen.
Wie entsteht ein medizinisches Bild?
Nach der Verabreichung verteilt sich das Radiopharmakon entsprechend seinen chemischen und biologischen Eigenschaften im Körper. Eine Gammakamera registriert die aus dem Körper austretenden Gammaquanten.
Aus den gemessenen Signalen können Bilder erstellt werden, die Hinweise auf die Verteilung des Radiopharmakons geben. Im Gegensatz zu einer rein anatomischen Aufnahme können nuklearmedizinische Verfahren auch bestimmte Stoffwechselvorgänge oder Organfunktionen sichtbar machen.
Bei der Single-Photon-Emissionscomputertomographie (SPECT) werden Messungen aus unterschiedlichen Richtungen kombiniert, um dreidimensionale Darstellungen zu rekonstruieren.
Technetium-99m wird unter anderem für Untersuchungen der Knochen, des Herzens, der Nieren und weiterer Organe eingesetzt. Welches Gewebe dargestellt wird, hängt wesentlich von der verwendeten chemischen Verbindung ab.
Beispiel: Knochenszintigraphie
Bei einer Knochenszintigraphie kommen häufig Technetium-99m-markierte Phosphonatverbindungen zum Einsatz. Diese lagern sich bevorzugt in Bereichen mit entsprechendem Knochenstoffwechsel an.
Die Untersuchung kann beispielsweise Hinweise auf Veränderungen des Knochenumbaus geben. Solche Veränderungen können verschiedene Ursachen haben, weshalb das Ergebnis stets im medizinischen Zusammenhang interpretiert werden muss.
Die radioaktive Strahlung wird hier gezielt als Messsignal genutzt. Die Untersuchung selbst erfolgt unter strengen Anforderungen an Qualitätssicherung, Strahlenschutz und medizinische Indikationsstellung.
9. Warum ist gerade Technetium-99m so geeignet?
Die Eignung eines Radionuklids für medizinische Bildgebung hängt von mehreren Faktoren ab.
Erstens: die Halbwertszeit. Eine Halbwertszeit von ungefähr sechs Stunden bietet für viele diagnostische Abläufe genügend Zeit, während die Aktivität anschließend relativ rasch abnimmt.
Zweitens: die Strahlungsart. Die charakteristische Gammastrahlung kann den Körper verlassen und mit einer Gammakamera gemessen werden. Dadurch eignet sich Technetium-99m besonders für bildgebende Untersuchungen.
Drittens: die chemische Vielseitigkeit. Technetium kann in unterschiedlichen Komplexen gebunden werden. So lassen sich Radiopharmaka mit verschiedenen Verteilungseigenschaften entwickeln.
Viertens: die Verfügbarkeit über Generatoren. Die Erzeugung aus Molybdän-99 erleichtert die Versorgung medizinischer Einrichtungen mit einem Radionuklid, das aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit nicht lange gelagert werden kann.
Diese Kombination erklärt, weshalb Technetium-99m zu den bedeutendsten Radionukliden der diagnostischen Nuklearmedizin gehört.
10. Technetium-99 und die Entsorgung radioaktiver Abfälle
Während Technetium-99m in der Medizin aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit geschätzt wird, stellt das langlebige Technetium-99 andere Anforderungen.
Technetium-99 entsteht unter anderem im Zusammenhang mit der Kernspaltung. Mit einer Halbwertszeit von ungefähr 211.000 Jahren bleibt es über sehr lange Zeiträume radioaktiv.
Für die Bewertung möglicher Umweltauswirkungen ist seine chemische Form entscheidend. Unter oxidierenden Bedingungen kann Technetium als Pertechnetat-Ion TcO₄⁻ vorliegen. Dieses ist vergleichsweise gut wasserlöslich und kann unter bestimmten Bedingungen in der Umwelt mobil sein.
Unter reduzierenden Bedingungen kann Technetium dagegen in schwer lösliche Verbindungen der Oxidationsstufe +4 übergehen. Diese Unterschiede sind für die Erforschung geologischer Endlager und möglicher Rückhaltemechanismen wichtig.
Technetium verdeutlicht damit, dass sich das Verhalten radioaktiver Stoffe nicht allein aus ihrer Halbwertszeit ableiten lässt. Ebenso entscheidend sind die chemischen Verbindungen, die Umweltbedingungen und die Wechselwirkungen mit Mineralien und Wasser.
11. Ist Technetium gefährlich?
Technetium ist aufgrund seiner radioaktiven Isotope grundsätzlich ein Stoff, dessen Handhabung besondere Schutzmaßnahmen erfordert. Das tatsächliche Risiko hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: dem jeweiligen Isotop, der Aktivität, der Strahlungsart, der chemischen Form, dem Aufnahmeweg und der Dauer einer möglichen Exposition.
Eine medizinisch kontrollierte Anwendung von Technetium-99m ist daher nicht mit einem unkontrollierten Kontakt zu radioaktivem Technetium gleichzusetzen.
In der Nuklearmedizin werden Radiopharmaka unter festgelegten Qualitäts- und Strahlenschutzbedingungen eingesetzt. Die Entscheidung für eine Untersuchung beruht auf einer Abwägung ihres diagnostischen Nutzens und der damit verbundenen Strahlenexposition.
Außerhalb solcher kontrollierten Anwendungen dürfen Technetiumverbindungen nicht ohne geeignete Fachkenntnisse und Schutzvorkehrungen gehandhabt werden.
12. Technetium im Periodensystem – die Verbindung zu Molybdän und Rhenium
Technetium befindet sich in der fünften Periode und der siebten Gruppe des Periodensystems. Sein unmittelbarer linker Nachbar ist Molybdän (Mo) mit der Ordnungszahl 42, sein rechter Nachbar Ruthenium (Ru) mit der Ordnungszahl 44.
Die Verbindung zu Molybdän ist nicht nur durch die Position im Periodensystem interessant. Das radioaktive Isotop Molybdän-99 ist die wichtigste Ausgangssubstanz für die Bereitstellung von Technetium-99m in der Nuklearmedizin.
In derselben Gruppe wie Technetium stehen Mangan (Mn) und Rhenium (Re). Die Elemente besitzen verwandte Elektronenkonfigurationen und können chemisch ähnliche Verbindungstypen bilden. Besonders die Pertechnetat- und Perrhenat-Ionen zeigen diese Verwandtschaft.
Gleichzeitig macht Technetium deutlich, dass das Periodensystem nicht nur chemische Regelmäßigkeiten beschreibt. Auch die Kernphysik spielt eine entscheidende Rolle: Zwei benachbarte Elemente können ähnliche chemische Eigenschaften besitzen, während sich die Stabilität ihrer Atomkerne grundlegend unterscheidet.
Zur Einordnung dieser Zusammenhänge eignet sich unser interaktives Online-Periodensystem. Für die Darstellung im Chemieunterricht stehen außerdem unsere Periodensysteme als Lern- und Lehrmaterialien zur Verfügung.
13. Fünf interessante Fakten über Technetium
1. Ein vorhergesagtes Element: Die Existenz von Element 43 wurde aufgrund einer Lücke im Periodensystem erwartet, lange bevor sein Nachweis gelang.
2. Ein Name mit Geschichte: Technetium war das erste allgemein anerkannte Element, das zunächst künstlich hergestellt und identifiziert wurde. Daran erinnert sein Name.
3. Kein einziges stabiles Isotop: Alle bekannten Technetiumisotope sind radioaktiv. Das unterscheidet Technetium von den meisten leichteren Elementen.
4. Ein Element als medizinischer Wegweiser: Technetium-99m ermöglicht es, die Verteilung bestimmter Radiopharmaka im Körper von außen zu messen und daraus diagnostische Bilder zu erzeugen.
5. Ein Hinweis auf Elementbildung in Sternen: Der spektroskopische Nachweis von Technetium in bestimmten Sternen liefert Hinweise auf dort stattfindende beziehungsweise astronomisch junge Prozesse der Nukleosynthese.
14. Fazit – ein Element zwischen Kernphysik und Medizin
Technetium ist eines der ungewöhnlichsten Elemente des Periodensystems. Es wurde erst 1937 eindeutig nachgewiesen, besitzt keine stabilen Isotope und kommt in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Trotzdem ist seine praktische Bedeutung groß.
Besonders Technetium-99m zeigt, wie aus einer zunächst rein wissenschaftlichen Entdeckung eine wichtige medizinische Anwendung entstehen kann. Seine geeignete Halbwertszeit, die messbare Gammastrahlung und seine vielseitige Chemie machen es zu einem bedeutenden Bestandteil der nuklearmedizinischen Diagnostik.
Technetium ist zugleich ein anschauliches Beispiel dafür, wie eng Chemie, Physik, Medizin und Astronomie miteinander verbunden sind. Wer das Element verstehen möchte, lernt nicht nur etwas über ein radioaktives Metall, sondern auch über die Struktur von Atomkernen, die Entstehung chemischer Elemente und die Möglichkeiten moderner Bildgebung.
Literatur und wissenschaftliche Quellen
Buchquellen
Gray, Theodore (2013): Die Elemente. Bausteine unserer Welt. Köln: Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-000-5. Abschnitt zu Technetium, S. 107.
Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen (2006): Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt. 1. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-31789-9. Abschnitt zu Technetium, S. 52.
Wissenschaftliche Referenzquellen
International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC): Periodic Table of the Elements. Informationen zur Stellung von Technetium im Periodensystem und zur Angabe von Atommassen. https://iupac.org/what-we-do/periodic-table-of-elements/
Royal Society of Chemistry (RSC): Technetium – Element Information, Properties and Uses. Informationen zu Eigenschaften, Entdeckung und Verwendung. https://www.rsc.org/periodic-table/element/43/technetium
National Nuclear Data Center (NNDC), Brookhaven National Laboratory: NuDat 3. Kernphysikalische Daten zu Technetiumisotopen, Halbwertszeiten und Zerfallsarten. https://www.nndc.bnl.gov/nudat3/
International Atomic Energy Agency (IAEA): Fachinformationen zu Radioisotopen, Radiopharmaka und der Versorgung mit Molybdän-99 beziehungsweise Technetium-99m. https://www.iaea.org/topics/radioisotopes
National Institute of Standards and Technology (NIST): Atomic Spectra Database. Atomphysikalische Referenzdaten und Spektralinformationen. https://physics.nist.gov/asd
Hinweis: Zahlenwerte sind, soweit nicht anders angegeben, gerundet. Bei radioaktiven Elementen können die Angaben in Periodensystemen je nach verwendeter Konvention und dargestelltem Isotop voneinander abweichen.