Chrom (Cr) – Eigenschaften, Vorkommen und Verwendung
Chrom (Cr) – Eigenschaften, Vorkommen, Verwendung und gesundheitliche Bedeutung
Chrom ist ein Metall voller Gegensätze: Es verleiht Edelstahl seine Korrosionsbeständigkeit, lässt verchromte Oberflächen spiegelnd glänzen und sorgt in Mineralien und chemischen Verbindungen für eindrucksvolle Farben. Während metallisches Chrom technisch äußerst wertvoll ist, können bestimmte Chromverbindungen erhebliche Gesundheitsrisiken verursachen. Besonders wichtig ist deshalb die Unterscheidung zwischen Chrom(III) und Chrom(VI).
Das chemische Element Chrom (Cr) besitzt die Ordnungszahl 24 und gehört zu den Übergangsmetallen. Sein Name leitet sich vom griechischen Wort chroma für „Farbe“ ab. Tatsächlich ist nicht das silbrig glänzende Metall selbst besonders farbenprächtig, sondern die große Vielfalt seiner Verbindungen.
Chrom im Periodensystem – die wichtigsten Eigenschaften
Eigenschaft | Wert |
|---|---|
Elementname | Chrom |
Chemisches Symbol | Cr |
Ordnungszahl | 24 |
Relative Atommasse | 51,9961 |
Elementgruppe | Gruppe 6, Übergangsmetalle |
Periode | 4 |
Elektronenkonfiguration | [Ar] 3d⁵ 4s¹ |
Aggregatzustand bei 20 °C | Fest |
Dichte bei Raumtemperatur | ca. 7,15 g/cm³ |
Schmelzpunkt | ca. 1.907 °C |
Siedepunkt | ca. 2.671 °C |
Häufige Oxidationsstufen | +2, +3 und +6 |
Elektronegativität nach Pauling | 1,66 |
Häufigstes natürliches Isotop | Chrom-52 |
Die Werte beziehen sich auf elementares Chrom. Bei chemischen Verbindungen hängen Eigenschaften wie Farbe, Löslichkeit, Reaktivität und Giftigkeit wesentlich von der jeweiligen Verbindung und der Oxidationsstufe des Chroms ab.
Chrom im Zusammenhang mit den übrigen Elementen: Im blume Online-Periodensystem lassen sich die Stellung von Chrom, seine Nachbarelemente und die Systematik der Übergangsmetalle nachvollziehen.
Was macht Chrom zu einem besonderen Metall?
Reines Chrom ist ein hartes, silbrig glänzendes Metall mit einem leicht bläulichen Farbton. Es lässt sich hochglanzpolieren und ist gegenüber vielen Umwelteinflüssen bemerkenswert widerstandsfähig. Gleichzeitig ist reines Chrom bei Raumtemperatur vergleichsweise spröde und deshalb für zahlreiche Anwendungen als alleiniger Werkstoff weniger geeignet als in Legierungen.
Eine seiner wichtigsten Eigenschaften ist die Passivierung. An der Oberfläche bildet sich unter geeigneten Bedingungen eine sehr dünne, fest haftende Schicht aus Chrom(III)-oxid (Cr₂O₃). Diese schützt das darunterliegende Metall vor weiterem Angriff durch Sauerstoff und Feuchtigkeit.
Genau dieser Effekt macht Chrom zu einem unverzichtbaren Bestandteil korrosionsbeständiger Stähle. Obwohl Chrom selbst ein unedles Metall ist, kann es durch seine schützende Oxidschicht eine außergewöhnliche Beständigkeit entwickeln.
Warum rostet Edelstahl nicht so leicht?
Gewöhnlicher Stahl besteht hauptsächlich aus Eisen. In Gegenwart von Wasser und Sauerstoff kann Eisen korrodieren: Es entstehen Eisenoxide und Eisenoxidhydroxide, die wir als Rost kennen.
Wird Stahl mit ausreichend Chrom legiert, verändert sich sein Verhalten grundlegend. Bei nichtrostenden Stählen liegt der Chromgehalt definitionsgemäß bei mindestens 10,5 Masseprozent. Das Chrom ermöglicht die Bildung einer schützenden Passivschicht.
Diese Schicht ist nur wenige Nanometer dick und mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Wird sie mechanisch beschädigt, kann sie sich bei ausreichendem Sauerstoffangebot häufig selbst erneuern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Edelstahl unter allen Bedingungen vollkommen rostfrei ist. Chloridhaltige Umgebungen, etwa Meerwasser oder bestimmte Reinigungsmittel, können bei ungeeigneten Stahlsorten zu Lochfraß oder anderen Formen der Korrosion führen.
Bemerkenswert: Der Korrosionsschutz entsteht nicht dadurch, dass Chrom überhaupt nicht mit Sauerstoff reagiert. Im Gegenteil: Gerade die gezielte Bildung einer stabilen Oxidschicht schützt den Werkstoff.
Die Elektronenstruktur – eine Besonderheit im Periodensystem
Chrom besitzt 24 Elektronen. Seine Elektronenkonfiguration im Grundzustand lautet:
[Ar] 3d⁵ 4s¹
Auf den ersten Blick könnte man eine Verteilung von [Ar] 3d⁴ 4s² erwarten. Tatsächlich ist beim neutralen Chromatom jedoch die Konfiguration mit fünf Elektronen im 3d-Unterniveau und einem Elektron im 4s-Orbital energetisch günstiger.
Dieses Verhalten hängt mit dem komplexen Zusammenspiel der Elektronenenergien, ihrer gegenseitigen Abstoßung und den Austauschwechselwirkungen zusammen. Die halb besetzte 3d-Unterschale ist dabei besonders günstig.
Chrom gehört damit zu den bekannten Ausnahmen von der einfachen Auffüllregel, die im Chemieunterricht häufig als Aufbauprinzip eingeführt wird.
Die Elektronenstruktur trägt dazu bei, dass Chrom verschiedene Oxidationsstufen ausbilden kann. Besonders bedeutsam sind Chrom(III) und Chrom(VI), deren chemische und biologische Eigenschaften sich erheblich unterscheiden.
Die Entdeckung des Chroms – ein rotes Mineral führt zu einem neuen Element
Die Entdeckungsgeschichte des Chroms beginnt mit einem auffällig roten Mineral, das früher als „sibirisches Rotbleierz“ bezeichnet wurde. Heute ist es unter dem Namen Krokoit bekannt. Chemisch handelt es sich um Blei(II)-chromat mit der Formel PbCrO₄.
Der französische Chemiker Louis-Nicolas Vauquelin (1763–1829) untersuchte dieses Mineral im Jahr 1797. Dabei erkannte er, dass es neben Blei und Sauerstoff ein bis dahin unbekanntes Element enthielt.
1798 gelang ihm die Darstellung von metallischem Chrom durch Reduktion einer Chromverbindung.
Die intensive Farbigkeit der untersuchten Stoffe gab dem neuen Element seinen Namen: Chrom wurde vom griechischen chroma abgeleitet.
Diese Entdeckung verdeutlicht einen wichtigen Unterschied zwischen einem chemischen Element und seinen Verbindungen. Das silbrig graue Metall und das leuchtend rote Krokoit enthalten zwar beide Chrom, besitzen aber völlig unterschiedliche Eigenschaften.
Die Untersuchung farbiger Mineralien trug somit nicht nur zur Entdeckung eines neuen Elements bei, sondern erweiterte auch das Verständnis chemischer Verbindungen und ihrer Zusammensetzung.
Warum sind Chromverbindungen so farbenreich?
Die Farbigkeit vieler Chromverbindungen ist eine der faszinierendsten Eigenschaften dieses Elements. Sie hängt mit der Elektronenstruktur des Chroms, seiner Oxidationsstufe und der Umgebung der Chromatome beziehungsweise Chromionen zusammen.
Bei Chrom(III)-Komplexen können Elektronen durch die Aufnahme bestimmter Lichtenergien zwischen unterschiedlich energiereichen d-Zuständen angeregt werden. Welche Wellenlängen absorbiert werden, hängt unter anderem von den umgebenden Liganden ab. Dadurch erscheinen unterschiedliche Verbindungen grün, violett oder in anderen Farbtönen.
Bei Chrom(VI)-Verbindungen entstehen intensive Farben häufig durch sogenannte Ladungstransfer-Übergänge. Hierbei wird Licht absorbiert, wenn Elektronen zwischen Sauerstoff und Chrom innerhalb einer Verbindung angeregt werden.
Typische Beispiele sind:
Chromverbindung | Charakteristische Farbe |
|---|---|
Chrom(III)-oxid (Cr₂O₃) | Grün |
Kaliumdichromat (K₂Cr₂O₇) | Orange |
Kaliumchromat (K₂CrO₄) | Gelb |
Chrom(VI)-oxid (CrO₃) | Dunkelrot |
Wasserhaltige Chrom(III)-Komplexe | Häufig grün oder violett |
Die Farben sind nicht bei jeder Verbindung unveränderlich. Insbesondere bei Chrom(III)-Komplexen können die Liganden und die chemischen Bedingungen den Farbton beeinflussen.
Warum ist ein Rubin rot und ein Smaragd grün?
Chrom ist auch für die Farbe einiger besonders bekannter Edelsteine verantwortlich.
Ein Rubin besteht überwiegend aus Aluminiumoxid (Al₂O₃). Kleine Mengen von Chrom(III)-Ionen ersetzen Aluminiumionen im Kristallgitter. Dadurch verändert sich die Lichtabsorption, und der Kristall erscheint rot.
Beim Smaragd, einer grünen Varietät des Minerals Beryll, können ebenfalls Chrom(III)-Ionen zur Farbgebung beitragen. Auch Vanadium kann eine wichtige Rolle spielen.
Warum erzeugt dasselbe Element in unterschiedlichen Mineralien verschiedene Farben? Entscheidend ist die jeweilige Kristallumgebung. Die Anordnung der Nachbaratome beeinflusst die Energieniveaus der Chromionen und damit die absorbierten Lichtanteile.
Ein einziges Element kann also dazu beitragen, dass ein Edelstein tiefrot und ein anderer intensiv grün erscheint. Das ist ein besonders anschauliches Beispiel für den Zusammenhang zwischen Atomstruktur, chemischer Umgebung und Farbe.
Vorkommen von Chrom in der Natur
Chrom kommt in der Erdkruste relativ häufig vor, allerdings nur selten in elementarer Form. Aufgrund seiner Reaktivität ist es überwiegend in Mineralien chemisch gebunden.
Das wirtschaftlich wichtigste Chromerz ist Chromit, vereinfacht mit der Formel FeCr₂O₄ beschrieben. Natürliche Chromite können zusätzlich Magnesium und Aluminium enthalten.
Bedeutende Chromitvorkommen befinden sich unter anderem in Südafrika, Kasachstan, Indien und der Türkei. Besonders Südafrika spielt für die weltweite Chromversorgung eine wichtige Rolle.
Neben Chromit ist Krokoit (PbCrO₄) mineralogisch bekannt. Seine auffälligen roten Kristalle machten es historisch bedeutsam, für die industrielle Chromgewinnung ist es jedoch nicht das wichtigste Erz.
Chrom gelangt auch durch natürliche Verwitterungsprozesse in Böden und Gewässer. Welche chemischen Formen dort vorliegen, hängt von den Umweltbedingungen ab, insbesondere vom pH-Wert und von den herrschenden Oxidations- und Reduktionsbedingungen.
Wie wird Chrom gewonnen?
Die industrielle Chromgewinnung beginnt überwiegend mit Chromiterz. Ein großer Teil des abgebauten Chromits wird zu Ferrochrom verarbeitet, einer Eisen-Chrom-Legierung, die anschließend bei der Stahlherstellung eingesetzt wird.
Zur Herstellung von Ferrochrom werden Chromiterze in elektrischen Öfen unter reduzierenden Bedingungen verarbeitet. Dabei werden die Metalloxide weitgehend reduziert.
Für die Gewinnung von hochreinem Chrom sind zusätzliche Aufbereitungsschritte erforderlich. Eine Möglichkeit ist die aluminothermische Reduktion von Chrom(III)-oxid:
Cr₂O₃ + 2 Al → 2 Cr + Al₂O₃
Aluminium entzieht dem Chromoxid den Sauerstoff. Dabei entstehen metallisches Chrom und Aluminiumoxid.
Die Reaktion ist stark exotherm, setzt also viel Wärme frei. Die industrielle Durchführung erfordert entsprechend kontrollierte Verfahren.
Verwendung von Chrom – vom Edelstahl bis zum Edelsteinlaser
Edelstahl und hochwertige Legierungen
Die mengenmäßig wichtigste Anwendung von Chrom ist die Herstellung von korrosionsbeständigen Stählen und anderen Legierungen.
Chromhaltige Stähle finden sich beispielsweise in Küchen, medizinischen Instrumenten, chemischen Anlagen, Maschinen, Fahrzeugen und Bauwerken.
Neben der Korrosionsbeständigkeit kann Chrom auch Härte, Verschleißverhalten und Hochtemperatureigenschaften von Legierungen beeinflussen. Welche Eigenschaften tatsächlich entstehen, hängt stets von der gesamten Legierungszusammensetzung und der Wärmebehandlung ab.
Verchromte Oberflächen
Chrom wird auch für metallische Beschichtungen verwendet. Solche Oberflächen sind für ihren charakteristischen Spiegelglanz bekannt.
Beim dekorativen Verchromen wird häufig eine dünne Chromschicht auf ein mehrschichtiges Beschichtungssystem aufgebracht. Dadurch entstehen glänzende Oberflächen, beispielsweise an Armaturen, Fahrzeugteilen und Gebrauchsgegenständen.
Beim Hartverchromen stehen dagegen technische Eigenschaften wie Verschleißbeständigkeit und Oberflächenhärte im Vordergrund.
Die Beschichtungsverfahren sind von den Eigenschaften des fertigen Werkstücks zu unterscheiden: In bestimmten galvanischen Prozessen werden gesundheitlich problematische Chrom(VI)-Verbindungen eingesetzt. Deshalb sind geeignete Schutzmaßnahmen und emissionsärmere beziehungsweise Chrom(VI)-freie Alternativen von großer Bedeutung.
Farbpigmente und Glas
Chromverbindungen wurden und werden als Farbstoffe und Pigmente eingesetzt. Besonders bekannt ist das grüne Chrom(III)-oxid, das als Pigment eine hohe Beständigkeit aufweist.
Historisch spielten auch gelbe und orangefarbene Chromatpigmente eine wichtige Rolle. Wegen der Gefahren zahlreicher Chrom(VI)-Verbindungen sind ihre Anwendungen heute stark eingeschränkt oder reguliert.
Chromverbindungen können außerdem Glas und keramische Materialien färben.
Ledergerbung
Bei der industriellen Lederherstellung werden häufig Chrom(III)-Salze verwendet. Sie ermöglichen eine effiziente Gerbung und verbessern wichtige Eigenschaften des Leders, beispielsweise seine Formbeständigkeit und Widerstandsfähigkeit.
Die fachgerechte Kontrolle der Prozesse ist wichtig, damit problematische Stoffeinträge in Abwasser und Umwelt vermieden werden. Auch die mögliche Bildung von Chrom(VI) im Leder ist ein relevantes Qualitäts- und Sicherheitsthema.
Rubinlaser und optische Anwendungen
Chrom spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte der Lasertechnik. Der erste funktionsfähige Laser wurde 1960 mit einem synthetischen Rubinkristall realisiert.
Die im Aluminiumoxid eingebauten Chrom(III)-Ionen sind dabei die optisch aktiven Zentren. Sie ermöglichen die Lichtemission des Rubinlasers.
Damit zeigt Chrom eine weitere ungewöhnliche Eigenschaft: Dasselbe Element, das Stahl vor Korrosion schützt, kann in einer geeigneten Kristallumgebung auch die Grundlage einer Laserlichtquelle bilden.
Chrom(III) und Chrom(VI) – warum die Oxidationsstufe entscheidend ist
Bei der gesundheitlichen Bewertung von Chrom reicht es nicht aus, nur den Elementnamen zu betrachten. Entscheidend ist, in welcher chemischen Form das Chrom vorliegt.
Metallisches Chrom – Chrom(0)
Im elementaren Metall besitzt Chrom die Oxidationsstufe 0. Kompakte metallische Oberflächen verhalten sich anders als lösliche Chromverbindungen oder fein verteilte Stäube.
Die mögliche Gefährdung hängt von der konkreten Exposition ab. Insbesondere bei industriellen Tätigkeiten wie Schleifen, Schweißen oder thermischer Bearbeitung können unterschiedliche chromhaltige Stäube und Verbindungen entstehen.
Chrom(III) – dreiwertiges Chrom
Chrom(III) ist eine häufige und unter vielen Bedingungen relativ stabile Oxidationsstufe. Es kommt unter anderem in Chrom(III)-oxid, zahlreichen Mineralien und Gerbstoffen vor.
Viele Chrom(III)-Verbindungen sind deutlich weniger mobil und unter vergleichbaren Bedingungen weniger toxisch als Chrom(VI)-Verbindungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Chrom(III)-Verbindungen grundsätzlich ungefährlich wären.
Die konkrete Gefährdung hängt unter anderem von Löslichkeit, Konzentration, Aufnahmeweg und Expositionsdauer ab.
Chrom(VI) – sechswertiges Chrom
Chrom(VI) kommt unter anderem in Chromaten und Dichromaten vor. Viele dieser Verbindungen sind starke Oxidationsmittel.
Chrom(VI)-Verbindungen sind besonders gesundheitlich problematisch. Sie können unter anderem Haut und Atemwege schädigen und allergische Reaktionen auslösen. Bestimmte berufliche Expositionen gegenüber Chrom(VI)-Verbindungen erhöhen das Lungenkrebsrisiko.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft Chrom(VI)-Verbindungen als krebserzeugend für den Menschen (Gruppe 1) ein.
Diese Einstufung darf nicht pauschal auf alle Formen des Elements Chrom übertragen werden. Die IARC unterscheidet ausdrücklich zwischen metallischem Chrom, Chrom(III)-Verbindungen und Chrom(VI)-Verbindungen.
Ist Chrom ein lebensnotwendiges Spurenelement?
In älteren Lehrbüchern wird Chrom häufig als essenzielles Spurenelement des Menschen bezeichnet. Diese Einschätzung beruhte unter anderem auf Untersuchungen, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Chrom(III) und der Wirkung des Hormons Insulin vermuten ließen.
Auch die vorliegende ältere Buchquelle beschreibt Chrom als Spurenelement, das beispielsweise in Vitaminpräparaten vorkommt. Diese historische Einordnung ist nachvollziehbar, entspricht aber nicht uneingeschränkt der heutigen wissenschaftlichen Bewertung.
Nach der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist die Essenzialität von Chrom für den Menschen nicht überzeugend nachgewiesen. Ein klar definierter physiologischer Chrombedarf lässt sich deshalb nicht ableiten.
Auch die US-amerikanischen National Institutes of Health weisen darauf hin, dass ein eindeutig nachgewiesener Chrommangel bei gesunden Menschen nicht beschrieben ist. Frühere Vermutungen über einen notwendigen Beitrag von Chrom zum Glukosestoffwechsel gelten nicht als ausreichend gesichert.
Chrom(III) kommt natürlicherweise in zahlreichen Lebensmitteln vor, darunter Getreideprodukte, Fleisch, Gemüse und Nüsse. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass zusätzliche Chrompräparate für gesunde Menschen notwendig oder sinnvoll sind.
Wichtig: Die biologische Bedeutung eines Elements und die Giftigkeit einzelner seiner Verbindungen sind unterschiedliche Fragestellungen. Die mögliche Aufnahme geringer Mengen Chrom(III) über Lebensmittel rechtfertigt keinesfalls den Kontakt mit gefährlichen Chrom(VI)-Verbindungen.
Chrom und Umwelt – zwischen natürlichem Vorkommen und Schadstoffbelastung
Chrom ist ein natürlicher Bestandteil vieler Gesteine und Böden. Durch Verwitterung kann es in die Umwelt gelangen. Zusätzlich können industrielle Prozesse zu lokalen Chrombelastungen beitragen.
Von besonderer Bedeutung ist die Umwandlung zwischen Chrom(III) und Chrom(VI). Unter geeigneten Bedingungen können Oxidations- und Reduktionsreaktionen die chemische Form des Chroms verändern.
Chrom(III) wird in Böden häufig relativ stark gebunden oder bildet schwer lösliche Verbindungen. Chrom(VI) kann dagegen, abhängig von pH-Wert und chemischer Zusammensetzung, als Chromat vergleichsweise mobil sein und ins Grundwasser gelangen.
Bei der Sanierung belasteter Standorte wird deshalb teilweise versucht, Chrom(VI) chemisch zu Chrom(III) zu reduzieren. Anschließend kann das Chrom unter geeigneten Bedingungen durch Fällung oder Bindung immobilisiert werden.
Die Umweltchemie des Chroms ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass nicht allein die Menge eines Elements, sondern auch seine chemische Speziation über Mobilität und Gefährdung entscheidet.
Die natürlichen Isotope des Chroms
Natürliches Chrom besteht aus vier stabilen Isotopen: Chrom-50, Chrom-52, Chrom-53 und Chrom-54.
Den größten Anteil besitzt Chrom-52 mit rund 83,8 Prozent. Die Isotope unterscheiden sich in ihrer Neutronenzahl, besitzen aber jeweils 24 Protonen im Atomkern.
Die Isotopenverhältnisse des Chroms sind auch für geochemische Untersuchungen interessant. Bei bestimmten chemischen und biologisch beeinflussten Prozessen können geringfügige Veränderungen der Isotopenzusammensetzung auftreten.
Solche Unterschiede werden unter anderem genutzt, um geochemische Prozesse und die Umwandlung von Chromverbindungen in der Umwelt zu untersuchen.
Fünf erstaunliche Fakten über Chrom
1. Ein Metall mit dem Namen „Farbe“: Chrom selbst ist silbrig grau. Seinen Namen verdankt es der auffälligen Farbigkeit seiner Verbindungen.
2. Edelstahl schützt sich selbst: Die Korrosionsbeständigkeit vieler nichtrostender Stähle beruht auf einer extrem dünnen, sich unter geeigneten Bedingungen erneuernden Passivschicht.
3. Chrom färbt Rubine rot: Kleine Mengen Chrom(III) im Kristallgitter von Aluminiumoxid reichen aus, um die charakteristische Rubinfarbe hervorzurufen.
4. Chrom besitzt eine ungewöhnliche Elektronenkonfiguration: Im Grundzustand lautet sie [Ar] 3d⁵ 4s¹ und weicht damit von der einfachen Auffüllreihenfolge ab.
5. Die chemische Form entscheidet über das Risiko: Metallisches Chrom, Chrom(III) und Chrom(VI) dürfen bei der gesundheitlichen Bewertung nicht gleichgesetzt werden.
Chrom – ein Element zwischen Werkstofftechnik, Farbenchemie und Gesundheitsschutz
Chrom zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Eigenschaften eines chemischen Elements sein können. Als Bestandteil von Edelstahl schützt es technische Bauteile vor Korrosion. In Beschichtungen sorgt es für glänzende Oberflächen. In Mineralien und Kristallen erzeugt es intensive Farben, während seine Elektronenstruktur interessante Einblicke in die Chemie der Übergangsmetalle eröffnet.
Gleichzeitig macht Chrom deutlich, warum eine wissenschaftlich präzise Betrachtung unverzichtbar ist. Besonders die Unterschiede zwischen Chrom(III) und Chrom(VI) zeigen, dass chemische Verbindungen desselben Elements sehr unterschiedliche Wirkungen besitzen können.
Wer Chrom im Zusammenhang mit den anderen Elementen betrachten möchte, findet im blume Online-Periodensystem einen systematischen Überblick über die chemischen Elemente und ihre Stellung im Periodensystem.
Literatur und wissenschaftliche Quellen
Buchquellen
Gray, Theodore (2013): Die Elemente. Bausteine unserer Welt. Köln: Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-000-5. Abschnitt „Chrom“, S. 64–65.
Quadbeck-Seeger, Hans-Jürgen (2006): Die Welt der Elemente – Die Elemente der Welt. 1. Auflage. Weinheim: Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-31789-9. Ergänzende Buchquelle zur Einordnung chemischer Elemente und ihrer Eigenschaften.
Wissenschaftliche Onlinequellen
Royal Society of Chemistry (RSC): Chromium – Element information, properties and uses. Angaben zu physikalischen Eigenschaften, Entdeckung, Vorkommen und Verwendung. https://periodic-table.rsc.org/element/24
Commission on Isotopic Abundances and Atomic Weights (CIAAW/IUPAC): Atomic Weight of Chromium. Standardatomgewicht und natürliche Isotopenzusammensetzung. https://www.ciaaw.org/chromium.htm
National Institute of Standards and Technology (NIST): Atomic Data for Chromium (Cr). Elektronenkonfiguration und atomphysikalische Daten. https://physics.nist.gov/PhysRefData/Handbook/Tables/chromiumtable1_a.htm
European Food Safety Authority (EFSA): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for Chromium (2014). Wissenschaftliche Bewertung der Essenzialität von Chrom für den Menschen.
National Institutes of Health, Office of Dietary Supplements: Chromium – Fact Sheet for Health Professionals. Bewertung der ernährungsphysiologischen Bedeutung und der Evidenz zu Chrompräparaten. https://ods.od.nih.gov/factsheets/chromium-HealthProfessional/
International Agency for Research on Cancer (IARC): Chromium, Nickel and Welding. IARC Monographs, Volume 49 (1990). Bewertung der krebserzeugenden Wirkung von Chrom(VI)-Verbindungen. https://publications.iarc.who.int/67
Redaktioneller Hinweis: Die Angaben zur möglichen Essenzialität von Chrom in älteren Buchquellen wurden anhand neuerer wissenschaftlicher Bewertungen eingeordnet. Die chemischen und gesundheitlichen Eigenschaften werden nach Oxidationsstufe und Verbindungsform unterschieden.